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Steuern & Recht

Keine mehrfache Nutzung des Abzugsbetrags für häusliches Arbeitszimmer


Der personenbezogene Höchstbetrag von 1 250 Euro kann auch bei zwei Arbeitszimmern in zwei verschiedenen Hausständen in einem Veranlagungszeitraum nur einmal geltend gemacht werden. Dies gilt auch bei einer betrieblichen Notwendigkeit für zwei Arbeitszimmer, von dem eines in einem aus beruflichen Gründen unterhaltenen Hausstand liegt.

Ausgangslage

Der Kläger hat zwei Wohnsitze (in E und O) und erzielte in 2009 u.a. im Zusammenhang mit der Durchführung von Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen Einkünfte aus selbständiger Arbeit. In seiner Gewinnermittlung erfasste er Aufwendungen für ein Arbeitszimmer in E in Höhe von 1.780 Euro und für ein Arbeitszimmer in O in Höhe von 790 Euro als Betriebsausgaben. Der Kläger ist der Meinung, die Abzugsbeschränkung sei objektbezogen ausgestaltet und ihm stehe daher der gesetzliche Höchstbetrag für jedes Arbeitszimmer zu. Finanzgericht und nun auch der Bundesfinanzhof (BFH) sehen dies anders.

Im Grundsatz sind Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig. Jedoch: Steht für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 Euro begrenzt. Volle Abzugsfähigkeit der Kosten besteht, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen Betätigung bildet.

 „Anderer Arbeitsplatz“ muss sich außerhalb der häuslichen Sphäre befinden

Der BFH stellt zunächst klar, dass der Abzug der Aufwendungen für das Arbeitszimmer in O nicht deswegen ausgeschlossen ist, weil dem Kläger für seine Tätigkeit mit dem häuslichen Arbeitszimmer in E „ein anderer Arbeitsplatz“ zur Verfügung steht. Ein zur Erledigung büromäßiger Arbeiten genutztes weiteres häusliches Arbeitszimmer ist nämlich kein „anderer Arbeitsplatz“.

Abzugsbetrag steht jedem Steuerpflichtigen für jeden Veranlagungszeitraum nur einmal zu

Der Betriebsausgabenabzug des Klägers ist durch den gesetzlichen Höchstbetrag begrenzt, auch wenn er mehrere häusliche Arbeitszimmer nutzt, denn der Höchstbetrag sei – so der BFH – nicht einkünfte-, sondern personenbezogen. Das Fehlen eines „anderen Arbeitsplatzes“ begründe zwar die Erforderlichkeit eines häuslichen Arbeitszimmers und damit (ausnahmsweise) einen typisierten, der Höhe nach begrenzten Betriebsausgabenabzug; eine Rechtfertigung für eine Vervielfachung des Höchstbetrages bei Nutzung mehrerer häuslicher Arbeitszimmer können die höchsten Steuerrichter hieraus jedoch nicht erkennen.

Der BFH verweist auch darauf, dass das Bundesverfassungsgericht in der Vergangenheit den erheblichen Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers sowohl dem Grunde als auch der Höhe nach betont hat, da eine effektive Kontrolle der tatsächlichen Nutzung häuslicher Arbeitszimmer wegen des engen Zusammenhangs zur Sphäre der privaten Lebensführung und des Schutzes durch Art. 13 des Grundgesetzes wesentlich eingeschränkt oder gar unmöglich sei. Insofern sei der dem Steuerpflichtigen entstandene Aufwand bis zum Höchstbetrag typisierend abgegolten.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 9. Mai 2017 (VIII R 15/15), veröffentlicht am 19. Juli 2017