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Steuern & Recht

Berücksichtigung eines Verlusts aus der Veräußerung von unentgeltlich erworbenen Kapitalgesellschaftsanteilen


Die bei Verträgen unter fremden Dritten bestehende Vermutung für das Vorliegen eines entgeltlichen Geschäfts ist im Fall der Übertragung eines Kapitalgesellschaftsanteils, für den der Zuwendende hohe Anschaffungskosten getragen hat, nicht alleine wegen eines Freundschaftsverhältnisses zwischen dem Zuwendenden und dem Empfänger als widerlegt anzusehen. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesfinanzhof in einem Urteil vom 9. Mai 2017.


Im Streitfall hatte das Finanzgericht eine Entscheidung, wonach eine unentgeltliche Übertragung nicht nur vereinbart gewesen sei, sondern auch wirtschaftlich vorgelegen habe, maßgeblich auf den Umstand gestützt, dass die Beteiligten eine langjährige, aus der Nachbarschaft erwachsene Freundschaft verbindet. Nach Auffassung des Bundesfinanzhofs (BFH) hat das Finanzgericht jedoch zu Unrecht das Verhältnis zwischen Freunden typisierend mit demjenigen von Verwandten gleichgesetzt und deshalb die Vermutung für das Vorliegen einer entgeltlichen Übertragung des Gesellschaftsanteils als widerlegt angesehen.

Die tatsächliche Vermutung, dass fremde Personen einander im Geschäftsleben nichts zu schenken pflegen, kann von dem die objektive Beweislast tragenden Steuerpflichtigen durch unmittelbaren Beweis oder mit Hilfe eines Indizienbeweises widerlegt werden. Das Finanzgericht hat dabei aber zu berücksichtigen, dass die genannte Vermutung umso stärker ausfällt, je wirtschaftlich werthaltiger der übertragene Gesellschaftsanteil für den Übertragenden und den Empfänger ist, konstatierten die obersten Finanzrichter in der Urteilsbegründung.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 9. Mai 2017 (IX R 1/16); veröffentlicht am 8. November 2017
Hinweis: Die Entscheidung wurde nachträglich zur amtlichen Veröffentlichung bestimmt; sie war seit dem 5. Juli 2017 als NV-Entscheidung abrufbar.

Eine englische Zusammenfassung dieses Urteils finden Sie hier.