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Steuern & Recht

Kein Wechsel von degressiver Abschreibung zur Abschreibung nach tatsächlicher Nutzungsdauer


Wer die degressive Gebäude-AfA in Anspruch genommen hat, kann nicht nachträglich zur AfA nach der tatsächlichen Nutzungsdauer übergehen. Das hat der Bundesfinanzhof aktuell und erstmals entschieden.

Der BFH musste die konkrete Frage des Übergangs von der degressiven zur AfA nach der tatsächlichen Nutzungsdauer bisher nicht beantworten. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist der Steuerpflichtige jedoch an die einmal getroffene Wahl für die degressive AfA grundsätzlich gebunden. Der spätere Wechsel zu einer anderen AfA-Methode ist damit grundsätzlich ausgeschlossen

Bei der degressiven AfA nach § 7 Abs. 5 Einkommensteuergesetz (EStG), einer Abschreibung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts nach fallenden Staffelsätzen, konnten in der im Streitfall maßgeblichen Gesetzesfassung (2009) bei Gebäuden in den ersten acht Jahren jeweils 5 %, in den darauf folgenden sechs Jahren jeweils 2,5 % und in den darauf folgenden 36 Jahren jeweils 1,25 % steuerlich abgesetzt werden. Bei der degressiven AfA handelt es sich um eine Steuerstundung durch Vorverlagerung von AfA.

Die Klägerin vermietete ein im Jahr 1994 bebautes Grundstück an ihren Ehemann zum Betrieb eines Autohauses. Bei ihren Einkünften aus Vermietung und Verpachtung nahm sie die degressive AfA in Anspruch. Nach Ablauf der ersten 14 Jahre, im Jahr 2009, errichtete die Klägerin auf dem Grundstück u.a. einen Anbau und machte im Übrigen geltend, die Nutzungsdauer sämtlicher Gebäude betrage nur noch 10 Jahre. Sie beantragte eine AfA entsprechend der tatsächlichen Nutzungsdauer.

Diese Kombination der AfA lehnt der BFH jedoch ab. Die obersten Steuerrichter begründen dies damit, dass § 7 Abs. 5 EStG die Nutzungsdauer eines Gebäudes typisiert und damit der Rechtsvereinfachung dient. Bei Wahl der degressiven AfA erübrige sich die Feststellung der tatsächlichen Nutzungsdauer des Gebäudes. Der Steuerpflichtige entscheide sich bei Wahl der degressiven AfA bewusst dafür, die Herstellungskosten des Gebäudes in 50 der Höhe nach festgelegten Jahresbeträgen geltend zu machen. Die Vereinfachung trete nur ein, wenn die Wahl über die gesamte Dauer der Abschreibung bindend sei. Die Wahl der degressiven AfA ist deshalb im Grundsatz unabänderlich.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 29. Mai 2018 (IX R 33/16), veröffentlicht am 11. Juli 2018