Neuer Bericht zum Klimawandel: Der Weltklimarat warnt vor schweren Folgen für Mensch und Natur

Nur durch drastische Sofortmaßnahmen kann die Erderwärmung noch begrenzt werden.

Der Weltklimarat der Vereinten Nationen hat den ersten Teil seines neuen Sachstandsberichts zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels vorgelegt – und warnt vor den Folgen der Erderwärmung, die nicht mehr rückgängig zu machen seien. Außer Frage steht, dass der Mensch dafür verantwortlich ist. Als Folgen werden wir künftig vermehrt Wetter- und Klimaextreme erleben.

Die Flutkatastrophe in Teilen von Deutschland, Waldbrände in der Türkei und Griechenland oder die Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 50 Grad in Kanada: Die jüngsten Extremwetterereignisse weltweit haben uns sehr deutlich vor Augen geführt, wie weit der Klimawandel schon vorangeschritten ist. Sie zeigen, dass es höchste Zeit ist zu handeln. Zu einem Weckruf – oder vielmehr Alarmsignal – könnte auch der aktuelle Bericht des Weltklimarats werden. Am 9. August 2021 hat das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der Weltklimarat der Vereinten Nationen, einen ersten Teil seines neuen Sachstandsberichts zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels veröffentlicht. Wissenschaftler:innen beschreiben darin den aktuellen Stand des Klimawandels und geben Prognosen für die zukünftige Entwicklung ab. Die Bedeutung dieses sechsten Berichts ist aus meiner Sicht kaum zu überschätzen: Er wird die Grundlage für Debatten bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow im November sein und den Streit um das 1,5-Grad-Ziel von Paris weiter anheizen. Die Empfehlungen gelten als wegweisend für die weltweite Klimapolitik, zwei weitere Teile des Berichts werden für das kommende Jahr erwartet. 

Doppelrolle: Der Mensch als Hauptverursacher und größter Leidtragender zugleich

Die Ergebnisse sind alarmierend und sprechen eine deutliche Sprache: Wir werden weiter schwere Naturkatastrophen erleben, wenn es uns nicht gelingt, den Klimawandel einzudämmen. Dazu gehören mehr Hitzewellen, Starkniederschläge, Dürren und tropische Wirbelstürme. Die Wissenschaftler:innen warnen vor dem Zusammenbruch ganzer Ökosysteme, vor Wassermangel und Lebensmittelknappheit sowie vor Krankheiten als Folge der Erderwärmung. Von „irreversiblen Auswirkungen auf Menschen und ökologische Systeme“ ist in dem Bericht die Rede. Dabei ist der Mensch der größte Verursacher und zugleich der größte Leidtragende: „Das Leben auf der Erde kann sich von einem drastischen Klimaumschwung erholen, indem es neue Arten hervorbringt und neue Ökosysteme schafft“, heißt es in dem IPCC-Bericht. „Menschen können das nicht.“ 

Risiko von Hungersnöten und Hitzewellen steigt

Wie gravierend die Auswirkungen des Klimawandels sind, hängt auch davon ab, inwieweit es uns gelingt, die Erderwärmung zu begrenzen. Gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter hat sich die Erde bereits um 1,1 Grad erwärmt. Bereits im Jahr 2030 – und damit schneller als bisher angenommen – könnte die weltweite Erwärmung bei 1,5 Grad liegen. Verfehlen die Staaten das beim Pariser Klimaabkommen gesteckte Ziel von 1,5 Grad, hätte das schwere Folgen für Mensch und Natur: Bei einer globalen Erwärmung um zwei Grad muss damit gerechnet werden, dass 420 Millionen Menschen zusätzlich dem Risiko von Hitzewellen ausgesetzt wären und bis zum Jahr 2050 bis zu 80 Millionen von Hunger bedroht sein könnten. Derzeit steuert die Erde auf eine Erwärmung von drei Grad zu, wenn wir dem nicht entgegenwirken. Bereits jetzt sind viele Veränderungen durch Treibhausgasemissionen nichts mehr umkehrbar, vor allem Veränderungen des Ozeans, des globalen Meeresspiegels und des Eisschildes.

Weltweit waren die vergangenen sechs Jahre von 2015 bis 2020 die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen, Spitzenreiter sind die Jahre 2016, 2019 und 2020. Wie die Ko-Autorin des Berichts, Prof. Dr. Astrid Kiendler-Scharr vom Forschungszentrum Jülich, gegenüber dem Online-Magazin spektrum.de formuliert, müssen wir dazu in den kommenden fünf Jahren die Weichen stellen. „Jedes zehntel Grad macht einen großen Unterschied und bringt zusätzliche Extreme mit sich“, warnt sie.

Das gilt umso mehr, als in Deutschland der Anstieg der Temperatur gegenüber dem 19. Jahrhundert deutlich stärker vorangeschritten ist als im weltweiten Durchschnitt. Erstmalig erlaubt der IPCC-Bericht auch regionale Analysen durch einen interaktiven Atlas.

Wichtige Kennzahlen für Deutschland im Überblick:

  • Anstieg der Temperatur um 1,6 Grad seit 1881
  • Zunahme der Sonnenscheindauer um 17 Prozent seit 1981
  • Anzahl der Tage mit Starkregen plus 5 Prozent seit 1951
  • Anstieg des Meeresspiegels in Cuxhaven um 42 Zentimeter seit 1843
  • Zunahme heißer Tage um 196 Prozent seit 1951

Mit dem Klimawandel gehen erhebliche finanzielle Risiken einher

Umso dringlicher ist es, jetzt entschieden gegenzusteuern. Mit massiven Anstrengungen ist das Ziel des Pariser Klimaabkommens noch zu schaffen. Dafür sind allerdings drastische Sofortprogramme notwendig, wie es in dem sechsten Sachstandsbericht heißt, der Fokus müsse dabei auf der Reduktion von CO2 als Haupttreiber des Klimawandels liegen. Auch für Unternehmen ist es Zeit zu handeln, zumal der Klimawandel massive finanzielle Risiken mit sich bringt: Finanzexpert:innen schätzen, dass der Klimawandel bis zum Ende des Jahrhunderts Anlagevermögen im Wert von bis zu 43 Billionen US-Dollar gefährden könnte. Daher rät die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD), im Auftrag der G20-Finanzminister eingerichtet, zu einer erweiterten Berichterstattung über Klimarisiken. Ein wichtiges Instrument sind dabei Klima-Szenario-Analysen wie das Climate Excellence Tool von PwC, mit denen klimabedingte Chancen und Risiken berechnet werden können. Ich rate Unternehmen und Investoren, sich frühzeitig in Analysen die richtigen Fragen zu stellen, dazu gehören etwa die folgenden Schwerpunkte: 

  • Wie wirken sich Klimarisiken finanziell auf mein Unternehmen oder mein Investment aus? 
  • Wie schütze ich mich am besten vor diesen Risiken?
  • Wie lassen sich Zukunftspotenziale als Werttreiber nutzen?
  • Wo stehe ich im Vergleich zu meinen Wettbewerbern?
  • Wie kann ich die Empfehlungen der TCFD und andere regulatorische Vorgaben in meinem Reporting am besten umsetzen?

Aus meiner Sicht unterschätzen Unternehmen derzeit vielfach noch die Risiken, die mit dem Klimawandel einhergehen. Speziell die Risiken aus der Transformation hin zu einer Net Zero Wirtschaft werden unterschätzt.  Dafür spricht auch eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts, nach der bislang etwa nur die Hälfte der DAX-30-Unternehmen zu Klimarisiken berichtet. Die Klimarisiken kritisch zu beleuchten und sich mit den Folgen für das eigene Geschäftsmodell auseinanderzusetzen, ist ein wichtiger Teil des Nachhaltigkeitsmanagements und der allgemeinen Unternehmenssteuerung. Wir müssen damit rechnen, dass die Risiken und damit die Schäden durch den Klimawandel in den kommenden Jahren deutlich zunehmen werden. Zusätzlich zu den transitorischen Risiken durch die Veränderung der Geschäftsmodelle sind die physischen Risiken, die sich in direkten Auswirkungen des Klimawandels wie Extremwetterereignissen (beispielsweise Hitze, Dürre oder Überflutungen) sowie langfristigen klimatischen und ökologischen Veränderungen zeigen können, eine Bedrohung für zahlreiche Branchen. Unternehmen erhöhen ihre Widerstandskraft und ihre Wertbeständigkeit, wenn sie den Empfehlungen der TCFD folgen und angemessen über Klimarisiken berichten.

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