Wieso deutsche CEOs den Klimawandel optimistisch sehen

Und warum die Devise gerade deshalb lautet: „Ärmel hochkrempeln und aktiv werden!“ 

Der aktuelle CEO Survey von PwC zeigt: Vier von zehn Unternehmenschefs hierzulande bereitet der Klimawandel kaum Sorgen. Was sind die Gründe für diesen Klima-Optimismus der Deutschen? Ist dieser gerechtfertigt? Was sind die Stolpersteine auf dem Weg zu einem klimafreundlichen Unternehmen? Und wieso sind Klimaszenarioanalysen so wichtig bei der nachhaltigen Transformation? Die Antwort auf diese und weitere Fragen, gebe ich im folgenden Blogbeitrag.

Im aktuellen CEO Survey von PwC, für den weltweit über 5.000 Vorstandschefs aus 100 Ländern befragt wurden, haben wir die CEOs auch nach ihrer Einstellung zum Klimawandel befragt – mit überraschendem Ergebnis: Vier von zehn deutschen Unternehmenschefs machen sich kaum Sorgen um die Folgen des Klimawandels. Immerhin etwas mehr als die Hälfte (58 Prozent) zeigt sich beunruhigt wegen des Klimawandels und der damit verbundenen Umweltschäden. Bei der Befragung im Vorjahr lag dieser Wert jedoch noch bei 77 Prozent. Und auch im globalen Vergleich sind die Vorstandslenker hierzulande deutlich gelassener, was den Klimawandel und die Folgen angeht: Im weltweiten Durchschnitt zeigen sich immerhin 72 Prozent der CEOs besorgt.

Wie kann das sein? Wieso scheinen die deutschen CEOs Klima-Optimisten zu sein?

Ich sehe vor allem drei Gründe für die Gelassenheit der deutschen CEOs:

  1. Optimistische Grundstimmung: Zunächst muss man hervorheben, dass die Grundstimmung bei den CEOs in Deutschland gut ist – nicht nur in puncto Klimawandel und Umweltschäden. Die große Mehrheit blickt optimistisch in die Zukunft und prognostiziert Wachstum für die nächsten drei Jahre. Insofern verwundert es kaum, dass sich die Unternehmenschefs hierzulande weniger Sorgen um den Klimawandel und die Folgen machen.
  2. Gut vorbereitet und strategisch verankert: Viele deutsche Firmen haben Nachhaltigkeit bereits fest in ihrer Unternehmensstrategie und dem Risikomanagement verankert: Fast jeder zweite CEO in Deutschland (46 Prozent) gibt an, Klimawandel und Umweltschäden in das strategische Risikomanagement eingebunden zu haben. Damit liegen die deutschen CEOs sechs Prozentpunkte über dem globalen Durchschnitt.
  3. Fortschritte sind spürbar: Deutsche CEOs fühlen sich im politischen und auch im regulatorischen Umfeld sicherer, weil sich hier erste Fortschritte bereits bemerkbar machen, wie beispielsweise die Energiewende oder der Kohleausstieg.

Firmen fürchten Überregulierung

Und jetzt kommt das große Aber. Denn im täglichen Austausch mit unseren Mandant:innen beobachte ich, dass sich viele Unternehmen sehr intensiv mit dem Klimawandel auseinandersetzen – und das Thema durchaus mit Sorge betrachten. So fürchten viele Firmen insbesondere eine Überregulierung. Kopfzerbrechen bereitet ihnen beispielsweise die EU-Taxonomie.

Es hapert bei der praktischen Umsetzung

Was ich auch feststelle: Vielen Organisationen fehlt es derzeit noch an Ideen zur praktischen Umsetzung. Was Firmen jetzt brauchen, ist eine Roadmap für den Umgang mit dem Klimawandel. Einen solch übergreifenden Plan zu erstellen, ist jedoch eine große Hürde. Der Grund: Es braucht profunde Analysen, die die konkreten Auswirkungen des Klimawandels auf das eigene Unternehmen zeigen. Und diese Erkenntnisse müssen dann in eine ganzheitliche Strategie überführt und operationalisiert werden. Hier sehe ich aktuell noch großen Nachholbedarf.

Die Netto Null als wichtigstes Investitionsziel

Nichtsdestotrotz: Die Studie belegt, dass die CEOs die Bedeutung des Themas durchaus erkennen und bereit sind, Geld für den Kampf gegen den Klimawandel in die Hand zu nehmen. Knapp die Hälfte der Vorstandschefs sieht Maßnahmen gegen den Klimawandel als Priorität und will deutlich höhere Investitionen in diesem Bereich tätigen: 67 Prozent der deutschen Unternehmenslenker geben an, ihre Investitionen in den nächsten drei Jahren erhöhen zu wollen. Damit ist Deutschland im Vergleich zum globalen Durchschnitt (60 Prozent) klarer Vorreiter.

Eines der wichtigsten Investitionsfelder ist Net Zero, also die Klimaneutralität. Unternehmen wollen auch in Zukunft weiter in klimaneutrale Energien – wie beispielsweise erneuerbarer Strom und Gas oder Wasserstoff – investieren.

So gelingt die nachhaltige Transformation

Ein wichtiges Instrument auf dem Weg zu einer nachhaltigen Transformation sind Klimaszenarioanalysen. Denn sie können Unternehmen helfen, den aktuellen und zukünftigen Status quo in Sachen Klimawandel zu identifizieren, um so die für sie wichtigen Schritte erkennen zu können. Leider werden solche Analysen bislang noch viel zu selten genutzt. Das ist bedauerlich, denn der Nutzen ist hoch.

Vier gute Gründe für den Einsatz von Klimaszenarionanalysen:

  1. Im Bereich der Regulatorik kommen auf EU-Ebene neue Verpflichtungen auf Unternehmen zu, auf die sie entsprechend reagieren müssen.
  2. In puncto Risiken und Geschäftschancen beobachten wir, dass einige Sektoren und Unternehmen finanziell besonders stark von Klimarisiken betroffen sein können, sich ihnen aber auch Klimachancen eröffnen.
  3. Viele Unternehmen nutzen Klimaszenarien aktuell als Lernfeld, um auch andere Umweltfaktoren, soziale Aspekte oder Governance-Kriterien zu analysieren. Klimaszenarien sind also ein guter Einstieg, um die finanzielle Relevanz von ESG-Faktoren nachhaltig zu verankern.
  4. Aus der Analyse und Bewertung von Klimarisiken lassen sich auch wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Produkte oder Auswirkungen auf aktuelle Geschäftsmodelle ableiten.

Fazit: Ärmel hochkrempeln und aktiv werden

Fest steht: Der Druck, den Klimawandel adäquat zu berücksichtigen, wächst. Zum einen durch die Regulierung seitens der Politik. Gleichzeitig steigt aber auch der Druck aus dem Markt heraus. Denn auch für Kund:innen spielt die Erfüllung der ESG-Kriterien eine immer größere Rolle bei der Kaufentscheidung.

Deshalb gilt: Nicht die Augen vor dem Klimawandel verschließen, sondern Ärmel hochkrempeln und aktiv werden. Die Aufgabe, nachhaltige Strategien und Maßnahmen in einem realistischen Zeitrahmen zu implementieren und gleichzeitig profitabel zu bleiben, ist keine leichte. Aber es lohnt sich: Die nachhaltige Transformation bietet großes Potenzial, um neue Business-Chancen zu erschließen. Das gilt insbesondere in Märkten, die unter Klimaszenarien potenziell wachsen.

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