Wie sich Klimarisiken einschätzen lassen

PwC-Tool „Climate Excellence“ berücksichtigt jetzt auch physische Risiken des Klimawandels

Extremwetterereignisse wie Überflutung, Starkregen, Dürre oder Stürme können zur existenzbedrohenden Gefahr für Unternehmen werden – das ist unter anderem eines der Hauptthemen der diesjährigen UN-Klimakonferenz in Glasgow (COP26). Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen die Folgen des Klimawandels verstehen und quantifizieren können. Unser Klimaszenario-Tool macht diese Risiken messbar und schafft damit die nötige Transparenz. Dabei spielen neben den transitorischen Risiken vor allem auch physische Gefahren eine wichtige Rolle, wie die jüngsten Extremwetterkatastrophen in Deutschland gezeigt haben.

Ist das noch Wetter oder schon Klimawandel? Diese Frage stellten sich die Medien ebenso wie viele Menschen in Deutschland nach dem Jahrhunderthochwasser im Sommer 2021. Die Folgen der Flutkatastrophe sind gravierend: Die Überschwemmungen in Teilen von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Bayern kosteten mehr als 180 Menschenleben und verursachten Schäden in Milliardenhöhe. Der Wiederaufbau in den Flutgebieten wird noch viele Jahre dauern. Wetter oder Klimawandel? Meine Antwort fällt eindeutig aus – wir spüren längst die Folgen des Klimawandels, die sich einerseits in Starkregen und Überflutungen, andererseits in Dürre und Hitzeperioden zeigen. Eindeutig ist in diesem Punkt auch die Einschätzung des Weltklimarats (IPCC), der in seinem jüngsten sechsten Sachstandsbericht prognostizierte, dass wir künftig mehr (menschengemachte) Extremwetterereignisse erleben werden.

Klimawandel sorgt für hohe finanzielle Einbußen

Solche Wetterextreme durch die steigende globale Erwärmung bedeuten auch für Unternehmen eine große Bedrohung. Diese physischen Risiken beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit von Unternehmen und können zu erheblichen finanziellen Einbußen führen. So schätzen Finanzexpert:innen, dass der Klimawandel bis zum Ende des Jahrhunderts Vermögenswerte in Höhe von 43 Billionen US-Dollar gefährden könnte.

 Welche Auswirkungen haben physische Risiken auf meinen Umsatz und mein Geschäftsmodell? 

Diese Frage können Unternehmen mithilfe des von uns entwickelten Klimaszenario-Tools „Climate Excellence“ jetzt präzise beantworten. Die Lösung bewährt sich seit mehreren Jahren in der Finanz- und Realwirtschaft. Das neueste Update bezieht – zusätzlich zu den transitorischen Risiken, wie Regulatorik oder steigende Preise – auch die physischen Risiken und ihre Folgen für Geschäft oder Portfolio ein. Zu den größten berücksichtigten physischen Gefahren zählen dabei gemäß Empfehlung der TCFD (Task Force on Climate-Related Financial Disclosures) Hitzewellen, Überschwemmungen, Gewitter, tropische Wirbelstürme, Waldbrände, Dürren und der Anstieg der Meeresspiegel. 

Physische Klimarisiken werden vielfach unterschätzt

Ich bin davon überzeugt, dass diese Klimarisiken die Art unseres Wirtschaftens verändern werden und jedes Unternehmen, egal welcher Branche, physische Gefahren in seiner Unternehmensstrategie verankern muss, um zukunftsfähig zu bleiben. Derzeit unterschätzen viele Unternehmen allerdings noch immer die ökonomischen Folgen des Klimawandels, wie eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt. Das gilt auch für die physischen Gefahren – sie bewerten die befragten DAX-30-Unternehmen noch als weniger bedrohlich als die transitorischen Risiken, allerdings werden diese ein immer größere Rolle spielen, wie der letzte IPCC Bericht leider deutlich gemacht hat. Unternehmen brauchen daher dringend Verständnis über die (finanziellen) Folgen des Klimawandels, der in Zukunft immer drastischer zu spüren sein wird. Hinzu kommt, dass der Druck auf die Firmen wächst: einerseits durch die Erwartungen der Stakeholder, andererseits durch steigende regulatorische Anforderungen – auch in puncto Berichterstattung.

Fünf Schlüsselfragen für ein erfolgreiches Klimamanagement

Wie kann ein angemessenes Management von Klimarisiken aussehen? Ich empfehle Unternehmen, sich dabei fünf Schlüsselfragen zu stellen:

  1. Art der Belastung: Welche Klimarisiken werden bis zum Jahr 2050 gehäuft auftreten – in welchen Ländern und Regionen?
  2. Klimarisiken: Wie werden sich physische Risiken auf bestimmte Unternehmensbereiche und -standorte auswirken? In welchem Zeithorizont? Wie lassen sie sich in das Risikomanagement integrieren?
  3. Angreifbarkeit: Wie verwundbar sind bestimmte Geschäftsaktivitäten durch Klimarisiken? In welche Bereiche muss investiert werden, wie kann in der Belegschaft das entsprechende Know-how aufgebaut werden, um künftig widerstandsfähiger zu werden? 
  4. Finanzielle Folgen: Mit welchen ökonomischen Auswirkungen muss in Zukunft je nach Geschäftsbereich und Standort gerechnet werden?
  5. Heatmap: Welche Standorte sind künftig durch wachsende Klimarisiken besonders gefährdet?

Das Climate Excellence-Tool von PwC hilft Unternehmen dabei, diese Fragen quntitativ zu beantworten. Auf der Basis verschiedener Klimaszenarien nach dem Pariser Klimaabkommen und Energiesystemmodelle errechnet es die finanziellen Auswirkungen klimabedingter Risiken und Chancen und visualisiert sie. Auf dieser Grundlage können Unternehmen nachhaltige Geschäftsstrategien entwickeln und so ihren Unternehmenserfolg langfristig sichern. Das Instrument schafft die nötige Transparenz und mildert die Unsicherheit über die Folgen des Klimawandels – Transparenz, die Aufsichtsbehörden bereits fordern oder bald fordern werden. 

Chancen des Klimawandels zügig ergreifen

Mit dem Klimawandel sind große Risiken für Unternehmen verbunden. Gleichzeitig bietet der Wandel der Unternehmenswelt aber auch neue Chancen. Auf Basis eines tiefen Verständnisses über die Folgen des Klimawandels können sich Unternehmen fragen, wo sie im Vergleich zum Wettbewerb stehen und in welchen Bereichen es künftig neue Wertschöpfungspotenziale geben könnte, etwa im Bereich klimafreundlicher Dienstleistungen und Produkte. Diese Chancen lassen sich allerdings nur realisieren, wenn Unternehmen zügig handeln. Zögern beim Thema Klima hat in jedem Fall seinen Preis, wie es eine aktuelle Studie von Greenpeace Deutschland und Kooperationspartnern zur Preisstabilität in der Eurozone zusammenfasst.

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