World Energy Council (WEC) skizziert Post-Covid-Szenarien zur Erreichung der Pariser Klimaziele

Kurz vor dem Ausbruch des Coronavirus im Jahr 2020 veröffentlichte der World Energy Council (WEC) der Niederlande den Bericht “Phasing out carbon”, der ein Szenario zur Dekarbonisierung des Energiemixes und Energieverbrauchs in Nordwesteuropa aufzeigt. Der neue Bericht des WEC „About black swans and green futures: decarbonising Northwest Europe after Covid-19“ geht der Frage nach, inwiefern die Pandemie das Erreichen der Pariser Klimaziele und deren Maßnahmen beeinflusst. Der Report untersucht neben den Auswirkungen von Covid-19 und der Pandemie auf die Wirtschaft ebenfalls den Effekt auf Mobilität, den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen.

Gemeinsam mit dem WEC der Niederlande und weiteren Partnern beleuchten niederländischen PwC Experten aus der Energiewirtschaft die zentralen Ereignisse des Corona-Jahres 2020 im Hinblick auf deren Einflüsse zur zukünftigen Entwicklung der Dekarbonisierung und welche Bedeutung und Anteil sie bei der Erreichung der im Pariser Abkommen vereinbarten Klimaschutzziele haben.

Aktuell beeinflusst das Corona-Jahr den übergreifenden Energiebedarf und den Klimaschutz vielfältig: Veränderungen im Arbeitsumfeld mit z.B. vermehrten Home-Office-Konzepten bedeuten einen erhöhten Anteil an Strombedarf in Rechenzentren und Netzknoten, andererseits wird aufgrund der eingeschränkten Mobilität weniger Energie verbraucht. Und wie entwickelt sich die aufgrund diverser Lockdowns eingeschränkte Lieferkette und die daraus entstandene Tendenz zur De-Globalisierung? Ein Überdenken von Standortentscheidungen für Produktions- und Zulieferkonzepte hat erhebliche Auswirkungen auf Transport- und Handelsströme und damit auf den Energiebedarf und Verbrauch.

Es wird auch die Frage aufgeworfen, inwiefern sich durch die Weltkrise verstärkt ein Bewusstsein in der Wirtschaft gebildet hat, eine Verantwortung in der Beeinflussung des Klimawandels zu übernehmen und dem durch z.B. die Einführung von Kreislaufwirtschaft, Netto-Null-Strategien, Ziele und Allianzenbildung zu begegnen.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die konkreten Auswirkungen des Corona-Jahres 2020 und deren Einflüsse auf die Dekarbonisierungsziele aufgrund geringer Informationen noch nicht konkret abzusehen. Daher werden die langfristigen wirtschaftlichen Aktivitäten und deren Bedeutung für den Energieverbrauch, die Klimakrise und den Energiemix anhand zweier Szenarien durchdacht. 

 

“Business as usual” Szenario 

Es wird zunächst davon ausgegangen, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft vorübergehend sind, vor allem durch massive Unterstützung der Regierungen, und man rasch zu einem “Business as usual” zurückkehren kann. Jeroen van Hoof, Global Energy, Utilities & Resources Industry Leader von PwC und zudem Vorsitzender des WEC der Niederlande, hält dabei ein positives Szenario im Hinblick auf Beibehaltung des vorübergehenden Rückgangs der Treibhausgasemissionen sowie eine erhöhte Sensibilität für Nachhaltigkeitsthemen und erneuerbare Energien im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie für möglich. 

Auch Jan Willem Velthuijsen, Chief Economist bei PwC Europe, geht davon aus, dass sich die Wirtschaft rechtzeitig regenerieren und nicht strukturell verändern wird. ‘Das würde bedeuten, auch wenn wir vorübergehend weniger CO2 ausstoßen und Treibhausgasemissionen verursachen und dann wieder auf das alte Niveau zurückkehren, dass wir dennoch bei einem einigermaßen optimistischen Szenario bleiben was die Erreichung der Pariser Klimaziele betrifft – wie im letztjährigen Bericht bezüglich Klimaschutz und Energieverbrauch “Phasing out carbon” beschrieben’, so Velthuijsen. 

 

Wachstums-Szenario

Ein zweites Szenario, das sich durch ein beschleunigtes Wachstum der europäischen Wirtschaft nach der Corona-Pandemie und -Krise auszeichnet, beschreibt Velthuijsen über ‚riesige finanzielle Konjunkturpakete, neue Mobilitätskonzepte, eine bleibende Zunahme der Arbeit von zu Hause aus, effizienteres Arbeiten und, damit verbunden, eine beschleunigte digitale Transformation und ein veränderter Energiebedarf und -verbrauch, deuten auf einen potenziell höheren wirtschaftlichen Wachstumspfad in der EU und Europa.‘

Das Wirtschaftswachstum kann durch erhöhten Energieverbrauch zu einem höheren Ausstoß an CO2-Emissionen führen, was wiederum das Erreichen der Pariser Klimaziele beeinträchtigen kann. Velthuijsen merkt an, dass daher grüne Investitionen die den Klimaschutz fordern vorangetrieben werden müssen und der Green Deal ein Zeichen für eine klare grüne Agenda in der EU und in Europa ist. Velthuijsen spricht im Report von einer Beschleunigung der Dynamik in der Energiewirtschaft und bei Energieträgern, die beispielsweise an den hohen Förderbudgets für Wasserstoff insbesondere in Deutschland und Frankreich zu sehen ist. 

Jeroen van Hoof weist zudem darauf hin, dass sich Europa in einer sehr guten Ausgangsposition in Bezug auf die Energieversorgungs-Infrastruktur für Industrie und Haushalte befindet. Diese wird für die Energiewende benötigt um ein grünes System aufzubauen.

Abschließend merkt Velthuijsen an: ‚Und wenn das Erreichen der Pariser Klimaziele irgendwo möglich ist, dann in Nordwesteuropa.‘. 


In einem WEC Webinar mit Sonja van Renssen, Managing Editor bei Energy Monitor, erläutert Jan Willem Velthuijsen die Ergebnisse und Analysen des WEC-Reports. 

Den kompletten Report und weitere Informationen zum Klimaschutz, Ziele und Energieverbrauch nach der Corona-Pandemie finden Sie auf unserer Website

 

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