Energieträger Wasserstoff: Lohnt sich für Unternehmen jetzt schon der Umstieg?

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Der neue Wasserstoff-Rechner von PwC veranschaulicht schnell und unkompliziert, ab wann H2-Projekte wirtschaftlich sind.

Klimaschutz mit Wasserstoff als Energieträger – das ist ein Zukunftstrend. „Aber rechnen sich Wasserstoff-Projekte überhaupt?“, fragen sich viele Unternehmensentscheider:innen. Individuelle Antworten darauf gibt der H2-Rechner von PwC. Im Interview erläutern Dr. Ulrich Störk, Sprecher der Geschäftsführung von PwC Deutschland, und Prof. Dr. Jürgen Peterseim, Energie- und Nachhaltigkeitsexperte bei PwC Deutschland, warum das Tool eine wichtige Starthilfe für Wasserstoff-Projekte ist.

 

Herr Störk, Herr Peterseim, der Wasserstoff-Rechner von PwC – was ist das genau?

Dr. Ulrich Störk: Der Wasserstoff-Rechner ist ein digitales Tool, mit dem Unternehmen schnell und unkompliziert erste Wirtschaftlichkeitsberechnungen für ihre Projekte mit „grünem“ Wasserstoff durchführen können. Es umfasst alle wesentlichen Wasserstoff-Anwendungen, die im verarbeitenden Gewerbe, in der Immobilienwirtschaft, im Transportwesen und im Energiesektor derzeit realistisch sind.

 

Was heißt „schnell und unkompliziert“?

Jürgen Peterseim: Dass der Rechner intuitiv zu bedienen ist. Zudem brauchen die Nutzer:innen nur wenige Daten in die sehr einfach gehaltene Benutzeroberfläche eingeben und bekommen dann anschaulich visualisiert, ob oder ab wann ihre Wasserstoff-Projekte wirtschaftlich sind. 

 

Welche Daten braucht es dafür?

Jürgen Peterseim: In das Ergebnis fließen Projektdaten wie Unternehmensaktivität und -menge, Wirkungsgrade verschiedener Technologien, Strom- und CO2-Preise sowie andere Kosten ein. Der Wasserstoff-Rechner zeigt dann den Break-Even-Point mit der aktuellen Referenztechnologie an, wie z.B. Dieselbusse oder Hochöfen. Persönliche Daten werden nicht erhoben.

Ulrich Störk: Wir haben den Rechner am 10. September 2021 gelauncht. Er ist auf unserer Website für alle Interessenten kostenfrei nutzbar. Die Nutzungszahlen steigen seit dem ersten Tag und wir bekommen bereits jetzt sehr positives Feedback. Das freut uns und zeigt, dass immer mehr Unternehmen klimaneutral werden und die Rolle von Wasserstoff für ihr Geschäft besser verstehen möchten.

 

Ob Wasserstoff seinen Vorschusslorbeeren gerecht wird oder nicht, wird noch reichlich diskutiert. Wo stehen Sie im Meinungsspektrum?

Ulrich Störk: Wir sind überzeugt, dass Wasserstoff für die Dekarbonisierung der Wirtschaft sehr bedeutsam werden wird – alleine schon infolge der CO2-Bepreisung in Deutschland. Und natürlich, weil unser Land die Klimaziele der Bundesregierung erreichen soll. Damit Wasserstoff als Energieträger aber nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch nachhaltig wird, müssen Skalen- wie Standardisierungseffekte genutzt und Nebenprodukte der Wasser-Elektrolyse einbezogen werden. Da denke ich insbesondere an die Sektorkopplung.

 

Sind auch diese Themen schon aktuell – oder noch Zukunftsmusik?

Jürgen Peterseim: Beides. Denn Zukunft geht ja immer irgendwann los und wir sehen bereits heute diverse Projekte. Die globale Wasserstoff-Nachfrage wird zunächst stetig über Nischenanwendungen steigen. Spätestens ab dem Jahr 2030 dürfte der Markt rasant wachsen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit Wasserstoff und seinen Derivaten, also synthetischen Treibstoffen und anderen Chemikalien, lassen sich fossile Kohlenwasserstoffe ersetzen. Wasserstoff kann entweder direkt genutzt oder über Power-to-Gas, Power-to-Liquid oder Power-to-X zu weiteren Energieträgern verarbeitet werden.

 

Besonders die energieintensiven Branchen diskutieren Wasserstoff als Energieträger. Worum geht es da?

Jürgen Peterseim: Nehmen wir beispielsweise Stahl-, Chemie- oder Zementunternehmen: Diese Firmen brauchen besonders viel Energie und vor allem nicht nur Strom, sondern auch Brennstoffe. Diese Moleküle sind auch zukünftig essentiell und müssen aus alternativen Quellen gedeckt werden. Das ist ein echtes Problem. Hier wäre Wasserstoff eine elementare Ergänzung zu anderen Energiequellen. Oder denken wir an die Luftfahrt, die zukünftig CO2-neutrale Treibstoffe benötigt: Auch hierfür brauchen wir Energie aus grünem Wasserstoff, um der Nachfrage gerecht zu werden. Wir müssen alles tun, um das Potenzial zu erschließen.

 

Wie geht es weiter, nachdem die Nutzer:innen des Wasserstoff-Rechners die Wirtschaftlichkeit ihrer Projekte erstberechnet haben?

Ulrich Störk: Zunächst: Wenn sie während der Tool-Nutzung unsere Unterstützung wünschen, etwa bei der Dateneingabe, oder mehr im Zusammenhang mit Wasserstoff wissen möchten, sind unsere PwC-Fachleute für sie da. Und mitunter machen wir danach zusammen weiter.   

Jürgen Peterseim: Wir werden beispielsweise häufiger nach verschiedenen Szenarien bei der Wasserstoffentwicklung gefragt. Was nach der Wirtschaftlichkeitsberechnung mit den entsprechenden Projekten passiert, liegt natürlich bei den Unternehmensentscheider:innen. Mittlerweile unterstützen wir Kund:innen aus verschiedensten Sektoren bzgl. strategischer betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Aspekte. Wie gesagt: Der Wasserstoff-Rechner ist für alle Interessenten da, unabhängig davon, ob sie PwC-Kund:innen sind oder nicht. Wir sind sehr stolz, die Ersten zu sein, die ein derartiges Tool online zur Verfügung stellen und werden in den kommenden Wochen über die verschiedenen Anwendungsfälle berichten. 

 

Herr Störk, ist bei PwC sogar der Wasserstoff-Rechner Sache der Geschäftsführung?

Ulrich Störk: Ressourcen schonen und Klima schützen stehen längst oben auf der Agenda der Geschäftsführung bei PwC Deutschland. Wir müssen für diese Themen mit Herzblut einstehen, damit wir da schneller vorankommen. Ein Wasserstoff-Rechner ist ein Detail im aktuellen energiespezifischen Transformationsprozess. Und weil dieses Detail genauso wichtig ist wie alle anderen, rede ich sehr gerne darüber. 

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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