Nachhaltigkeit im Lebensmittelhandel: Die vier wichtigsten Herausforderungen und Chancen

Nachhaltigkeit ist vor allem für den Lebensmittelhandel spätestens seit Covid-19 kein Trendthema, sondern ein wichtiges Fokusgebiet. Der erhöhte Fokus auf Nachhaltigkeit im Verbraucherverhalten und der stärkere regulatorische Druck zur Förderung nachhaltiger Geschäftsmodelle sind nur zwei Beispiele für die beschleunigte Relevanz von Nachhaltigkeit. Unsere Retail & Consumer Expert:in Harald Dutzler und Magdalena Schiefer beleuchten in diesem Blogbeitrag die aktuellen Chancen und Herausforderungen für die Lebensmittelbranche.

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger für die Kaufentscheidungen von Konsumenten. Um deren Bedürfnisse nach Nachhaltigkeit mit den richtigen Produkten, Services und Maßnahmen befriedigen zu können bedarf es der adäquaten Herangehensweise an vier Herausforderungen.

1) Klare Nachhaltigkeitsstrategie für langfristigen Erfolg

Übergreifend zu jeder Bemühung im Bereich Nachhaltigkeit steht eine klare Strategie, welche von dem Management vorgegeben und auch vorgelebt werden soll. Diese ist maßgeblich und muss im Einklang mit der gesamten Wertschöpfungskette des Lebensmittelhändlers, zum Beispiel Lieferanten, stehen, da ansonsten an der Glaubwürdigkeit gezweifelt werden kann. Ohne eine konkrete Nachhaltigkeitsstrategie wird es Lebensmittelhändlern schwer fallen die restlichen drei Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. 

Unser Capabilities-Driven-Strategy Ansatz setzt auf differenzierende Kernkompetenzen und ermöglicht Lebensmittelhändlern sich auf ihre größten Stärken im Bereich Nachhaltigkeit zu konzentrieren und Wettbewerbsvorteile zu erlangen. 

2) Von der Abfall- zur Kreislaufwirtschaft

Verbraucher neigen immer mehr dazu, lieber wiederverwendbare Produkte, wie zum Beispiel Stofftaschen, statt Plastik zu verwenden. Gleichzeitig steigt der Druck auf Lebensmittelhersteller zur Abfallreduzierung durch immer stärkere regulatorische Richtlinien. Im vergangenen Jahr hat Covid-19 auch zu einem neuen Bewusstsein bezüglich Müll und Abfall geführt. All diese Faktoren führen zu einem starken Handlungsdruck bei Lebensmittelhändlern, Abfälle, wie etwa bei Obst- und Gemüseverpackungen, zu reduzieren. 

Die Kreislaufwirtschaft stellt ein alternatives Wirtschaftsmodell zur Reduzierung und Verwertung von Abfällen entlang der gesamten Wertschöpfungskette dar und ermöglicht verantwortungsvolle Produktentwicklung, Produktion und Verbrauch. 

Wie soll das im Lebensmittelhandel in die Tat umgesetzt werden? Wir haben den Implementierungsprozess der Kreislaufwirtschaft in drei einfache Schritte unterteilt, um Erfolg zu gewährleisten:

3) Abmilderung der Lieferkettenrisiken

Der immer lauter werdende Ruf im Markt nach Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist nicht erst seit Covid-19 auf der Agenda der Lebensmittelhändler. Einerseits fordern Verbraucher stetig mehr Klarheit bezüglich Ethik und Praktiken in der Lebensmittelfertigung, um Vertrauen (zurückzu)gewinnen. Andererseits wird Transparenz entlang der Lieferkette immer mehr von allen Marktteilnehmern gefordert und als Norm angesehen. 

Deshalb überrascht es nicht, dass alternative, lokale, biologische und innovative Produkte immer häufiger nachgefragt werden. Covid-19 hat nicht zuletzt das verstärkte Umweltbewusstsein im Markt weiter beschleunigt. Seit Beginn der Pandemie haben zum Beispiel in Großbritannien knapp 30 Prozent der Verbraucher laut unserer PwC Studie ihre Ernährung umgestellt. Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck nach alternativen Produkten, aber auch nach Transparenz, damit Firmen, wie Lebensmittelhändler, rechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Erst kürzlich wurde zum Beispiel in Deutschland das neue Sorgfaltspflichtengesetzt im Parlament beschlossen.

4) Transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung

Um die Bemühungen innerhalb und außerhalb des Einflussbereichs von Lebensmittelhändlern greifbar zu machen, ist eine transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung notwendig. Eine diesbezüglich transparente Kommunikation wird zunehmend von allen Stakeholdern gefordert. Hier ist es vor allem wichtig, aussagekräftige KPIs gemeinsam mit Lieferanten zu definieren, um Auswirkungen auf Schlüsselbereiche zu identifizieren, zu quantifizieren und zu steuern. Darüber hinaus gibt es eine Tendenz zu einer stärkeren Vergleichbarkeit am Markt, da sich Nachhaltigkeitsstandards, wie zum Beispiel GRI (“the global standards for sustainability reporting”) immer stärker durchsetzen. Lebensmittelhändler sind gut beraten, sich sorgfältig mit ihrer Berichterstattung auseinanderzusetzen, um so die Basis für ihre zukünftige Nachhaltigkeitsstrategie zu ermöglichen.

Die Transformation zu Nachhaltigkeit innerhalb eines Lebensmittelhändlers geschieht gewiss nicht über Nacht. Die Priorisierung und strategische Beantwortung der oben erläuterten vier Herausforderungen ist essentiell für den Lebensmittelhandel, denn nur dann werden diese mit einem langfristigen profitablen Wettbewerbsvorteil belohnt: Der Kundenloyalität.

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