Sustainability in Fashion – Sechs konkrete Aufgaben für Modeunternehmen auf dem Weg zu nachhaltigem Handeln

Das Thema Nachhaltigkeit macht auch vor der Modebranche keinen Halt. Konsumenten legen großen Wert darauf, beim Shopping ihren ökologischen und sozialen Fußabdruck zu minimieren. Die Erwartungshaltung gegenüber Modelabels steigt auch bei anderen Stakeholdern, wie beispielsweise bei den eigenen Mitarbeitern, Investoren und der Öffentlichkeit. Sie alle fordern eine ambitionierte Nachhaltigkeitsagenda und klare Maßnahmen zur Umsetzung. Dieser Blogpost von unseren Experten Harald Dutzler und Saam B. Mahmoodian beleuchtet, welche Aspekte die Fashionindustrie bei dieser Herausforderung berücksichtigen muss und welche Lösungsansätze es gibt, um Modeunternehmen nachhaltiger zu gestalten.

Nachhaltigkeit in Fashion ist schon längst kein Trend mehr. Vielmehr wird es aktiv von Konsumenten und anderen Stakeholdern eingefordert. Einige Interessensgruppen gehen bereits einen Schritt weiter und deklarieren Nachhaltigkeit als Schlüssel für langfristige Wettbewerbsvorteile in der Industrie. Um sich jedoch nachhaltiger auszurichten und die damit verbundenen Potentiale zu erschließen, müssen Modelabels typischerweise sechs Herausforderungen bewältigen:

1.) Entwicklung einer integrierten Nachhaltigkeitsstrategie

Bei Konsumenten der Generation Y und Z (Jahrgang 1981-2012) beobachten wir, dass sich Nachhaltigkeit zu einem zentralen Kaufkriterium beim Shoppen entwickelt hat. Laut einer aktuellen PwC-Studie geben 63 Prozent der Befragten an, dass sie nachhaltige gegenüber normalen Produkten bevorzugen. Darüber hinaus hat der Ausbruch von Covid-19 dazu geführt, dass 51 Prozent der Haushalte ihre Ausgaben für Kleidung reduzieren möchten. Modeunternehmen benötigen daher eine integrierte Nachhaltigkeitsstrategie, um ihre Marktrelevanz trotz dieser anspruchsvollen Dynamik beibehalten zu können. Eine solche nachhaltige Strategie kann mithilfe des erprobten „Capabilities-Driven-Strategy“-Ansatzes von PwC Strategy& entwickelt und auf die spezifische Kundensituation angepasst werden.

2.) Forcierung der Kreislaufwirtschaft

Die Modebranche ist einer der größten Umweltverschmutzer weltweit, mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 290 Gramm pro Dollar produzierter Kleidung. Die globale Fashionindustrie verantwortet somit mehr Emissionen als die Länder Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. Um den signifikanten ökologischen Fußabdruck der Branche zu reduzieren, empfiehlt es sich, ihre aktuellen Produktions-, Produktnutzungs-, und Entsorgungsstandards zu überdenken. PwC Strategy& hat mehrere Strategien definiert, um das bestehende lineare ökonomische Modell in ein regeneratives System zu überführen. Für diese Verlagerung zur sogenannten Kreislaufwirtschaft gibt es drei grundlegende Ansätze: 1) Priorisierung erneuerbarer Rohmaterialien, 2) Maximierung der Produktnutzung und 3) Rückgewinnung von Nebenprodukten und Abfällen.

3.) Erhöhung der Transparenz in der Lieferkette

Mehr als 70 Prozent der gesamten Emissionen in der Modeindustrie entstehen durch vorgelagerte Aktivitäten, bevor die produzierte Ware beim Händler überhaupt eintrifft. Transparenz in der Lieferkette ist daher ein kritischer Erfolgsfaktor zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsagenda von Fashion Labels. Nichtsdestotrotz zeigt sich, dass nur knapp 40 Prozent der Modeunternehmen eine Übersicht über die Emissionen ihrer Produzenten auf erster Ebene haben. Betrachtet man die Lieferanten der Rohmaterialien, so reduziert sich dieser Anteil gar auf 7 Prozent. Diesem Problem kann man begegnen, indem die Unternehmen 1) Risiken aufgrund fehlender Transparenz identifizieren und priorisieren, 2) entsprechende Richtlinien für Lieferanten definieren, 3) Transparenz messen, 4) Risiken beseitigen und 5) Ergebnisse kommunizieren. Durch die Orientierung an diesem Prozess können Fashion Labels die Transparenz in ihrer Lieferkette erhöhen und ihre Nachhaltigkeitsagenda effektiv umsetzen.

4.) Priorisierung nachhaltiger Rohmaterialien

Einer anderen PwC-Studie zufolge ist die Art der Rohmaterialien für 60 Prozent der befragten Konsumenten ein zentraler Faktor für die Reputation eines Modeunternehmens. Folglich ist die Verwendung nachhaltiger Rohmaterialien zur Produktion von Kleidung ein zielführender Ansatz, um die nachhaltige Reputation von Fashion Brands am Markt zu festigen. Durch die Priorisierung nachhaltiger Materialien verbessern Unternehmen aber nicht nur ihre Reputation am Markt. Zusätzlich reduzieren sie ihren quantifizierbaren ökologischen Fußabdruck um den Faktor 4, von 2,40 € auf nur 0,60 € pro 800 Gramm verarbeiteter Stoff. Eine nachhaltige Beschaffung kann gewährleistet werden, indem entsprechende Ziele in der Nachhaltigkeitsstrategie formuliert und durch zielgerichtete Maßnahmen umgesetzt werden. Aktivitäten wie Audits von Produktionsstätten oder Überprüfungen zur Produktrückverfolgbarkeit können Modeunternehmen dabei helfen, die Zielerreichung systematisch zu überwachen. Alternativ können sie auch auf Zertifizierungen der Rohmaterialien durch externe Organisationen zurückgreifen, wie zum Beispiel „Oeko-Tex“ oder „Better Cotton Initiative“.

5.) Wahrung ethischer Arbeitsbedingungen

In der Vergangenheit haben die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern von Modelabels regelmäßig Skandale verursacht und die Branche erschüttert. Erst im Sommer 2020 wurde der Onlinehändler Boohoo beschuldigt, Ausbeutungsbetriebe in der Lieferkette zu betreiben, woraufhin der Aktienpreis 30 Prozent seines Werts eingebüßt hat. Tatsächlich gibt es eine Reihe an Problemen, die oftmals mit unethischen Arbeitsbedingungen assoziiert werden: Schlechte Bezahlung, hohes Arbeitspensum, ungenügende Gesundheits- und Sicherheitsvorkehrungen, Kinderarbeit, Zwangsarbeit oder das Verbot der Gewerkschaftsfreiheit. Die Fashion Industrie ist in Bezug auf diese Themen großen Risiken ausgesetzt und daher angehalten, die Einhaltung ethischer Arbeitsbedingungen bei Lieferanten bestmöglich zu gewährleisten. Ein Set an modernen Tools und Technologien, wie beispielsweise Audit Management-Programmen, Data Analytics-Plattformen oder HR- und Feedback-Systemen, befähigen Modeunternehmen, entsprechende Probleme proaktiv zu identifizieren und zu beseitigen. 

6.) Einführung eines Reporting-Systems für Nachhaltigkeit

In einer PwC-Studie zum Thema Reporting wurde festgestellt, dass die Erfassung ökologischer und sozialer Performance für 93 Prozent der CEOs ein zentrales Mittel zur Identifikation und zum Management geschäftsrelevanter Risiken darstellt. Gleichzeitig erwarten Stakeholder, dass Modeunternehmen über die erweiterten ökonomischen, ökologischen und sozialen Effekte ihrer Aktivitäten berichten, um ihre Performance in Bezug auf Nachhaltigkeit evaluieren zu können. Traditionelle Reporting-Systeme können diesen Anforderungen jedoch nicht Rechnung tragen. Daher sollten sich Modelabels an etablierte Standards, wie zum Beispiel die „Global Reporting Initiative“ (GRI) oder das „Sustainability Accounting Standards Board“ (SASB), und dem PwC Sustainability Reporting Framework orientieren, um ein holistisches Reporting-System für Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen einzuführen.

Insgesamt ist die nachhaltige Transformation eine Mammutaufgabe für die Modebranche, die ein großes zeitliches und finanzielles Engagement von Unternehmen abverlangt. Bei vielen Fashion Brands steht Nachhaltigkeit bereits im strategischen Fokus. Jene Modelabels, die sich der sechs diskutierten Herausforderungen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit annehmen, werden nicht nur ihren ökologischen und sozialen Fußabdruck minimieren, sondern auch von langfristigen Wettbewerbsvorteilen am Markt profitieren.