ESG Management – Zwischen Good Housekeeping und Innovation

Die Bekenntnis zu Nachhaltigkeitsstandards ist heute für Unternehmen unverzichtbar, ihre praktische Umsetzung im Geschäftsbetrieb kann aber auch herausfordernd sein. Als Mitglied des PwC Corporate Responsibility (CR) Boards und ab dem 01.07.2021 Nachhaltigkeitsbeauftragte von PwC Deutschland, habe ich mich hierzu mit den beiden Mitgliedern Miriam Conzen und Incken Wentorp des internen Nachhaltigkeitsteams von PwC ausgetauscht:

Daniela: In der letzten Woche hat das PwC Netzwerk die Öffentlichkeit wissen lassen, dass im Netzwerk weltweit in den nächsten fünf Jahren 100.000 Menschen eingestellt werden, die als Prüfer und Berater zu ESG tätig werden sollen. Diese Nachricht provoziert ja geradezu die Frage, was denn PwC Deutschland selbst zur systematischen Umsetzung von ESG-Anforderungen unternimmt. 

Miriam: Oder unternommen hat. Den ersten Nachhaltigkeitsbericht gab PwC Deutschland 2008 heraus, der erste Nachhaltigkeitsbeauftragte wurde 2012 ernannt. 2011 haben wir ein Umweltmanagement eingerichtet und nach ISO 14001 zertifizieren lassen. Unser Arbeitssicherheitsmanagement wird seit 2013 zertifiziert und unsere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben werden seit 2008 durch die Hertie Stiftung extern bewertet.

Incken: Unser soziales Engagement ist sogar noch älter: 2002 wurde die gemeinnützige, rechtlich selbstständige PwC-Stiftung auf Initiative der Führungskräfte von PwC Deutschland gegründet und wird seitdem finanziell durch PwC unterstützt. Mit ihren Eigenprogrammen und Förderprojekten fördert die PwC-Stiftung gezielt die Digitalkompetenz von Kindern und Jugendlichen sowie die ästhetische Kulturbildung im Sinne einer sozialen Teilhabe und ethischer Wirtschaftsbildung. Seit ihrer Gründung hat sie rund 600.000 Kinder und Jugendliche erreicht.

Daniela: Ihr beide seid Mitglieder des 2020 gegründeten, fünfköpfigen internen CR-Teams von PwC Deutschland. Du, Miriam, leitest das Umweltteam und Du, Incken, bist die Leiterin Corporate Citizenship – verantwortest also das soziale Engagement von PwC. 

Incken: Richtig. Das CR-Management bei PwC Deutschland unterteilen wir in die Handlungsfelder Umwelt, Gesellschaft, Mensch und Markt. Als fünftes kommt noch „CR Management und CR Reporting“ dazu. Wobei der Begriff „unterteilen“ relativ ist. Gerade bei ESG gibt es viele thematische Schnittmengen zwischen den Handlungsfeldern, die ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft erfordern. Bei uns ist daher der große Erfolgsfaktor Teamarbeit.

Miriam: Das gilt auch außerhalb des Teams. Denn das CR-Team „macht“ nicht die Nachhaltigkeit. Zwar sind wir für die Vernetzung und Abstimmung mit Stakeholdern, die Umsetzung von CR-Standards sowie die CR-Berichterstattung zuständig. Aber die eigentliche CR-Arbeit wird zunehmend eigenständig von den CR-relevanten Fachabteilungen wie Human Capital, Einkauf, Infrastructure oder Compliance erbracht. Unser Auftrag ist es dann, die Kollegen:innen fachlich zu begleiten. Also ist Netzwerken auch eine Grundkompetenz der CR-Arbeit.

Daniela: Das ist der gelebte bottom-up Ansatz der Nachhaltigkeit. Aber mittlerweile sind wir bei PwC Deutschland ja auch top-down gut aufgestellt. So ist CR beispielsweise sehr stark bei Ulrich Störk, unserem Sprecher der Geschäftsführung, verankert. Er und die Geschäftsführung werden wiederum vom CR Board unterstützt. Dieses besteht aus hochrangigen Vertreter:innen der drei Service Lines sowie interner Abteilungen. Dort generieren wir Impulse für Dienstleistungen und Produkte von PwC Deutschland sowie für unsere CR-Strategie. Und wir tauschen uns zu aktuellen CR-Entwicklungen aus und evaluieren die Auswirkungen von CR-Trends auf PwC Deutschland.

Incken: Wobei es ja schon eine besondere Herausforderung ist, die Vielzahl von Entwicklungen zu ESG im Blick zu behalten. Wir unterscheiden deshalb zwischen der Einhaltung gesetzlicher Anforderungen zu ESG sowie der Umsetzung allgemein anerkannter Standards zu ESG, wie dem UN Global Compact und darüber hinausgehender Ziele und Maßnahmen. Also Good Housekeeping einerseits und Ausrichtung und Ausprobieren innovativer neuer Ansätze andererseits. So werden wir beispielsweise im Bereich Corporate Citizenship neue Wege gehen, was Mitarbeitern:innen eine innovative Einbindung beim Skilled Corporate Volunteering ermöglicht – durch Nutzung von IT-Tools und Kooperationen mit Dritten.

Miriam: Aber auch bei der Umsetzung des jüngst verabschiedeten Lieferkettengesetzes werden wir die Möglichkeit ergreifen und beim Ausbau unseres heute schon bestehenden ESG-Lieferantenmanagements neue Ansätze auszuprobieren – auch um unseren Mandanten:innen dann am praktischen Beispiel aufzeigen zu können, was es für Alternativen gibt. Das gleiche gilt für unsere Nachhaltigkeitsberichterstattung. Nachdem wir im vergangenen Jahr als einer der ersten Wirtschaftsprüfer in Deutschland einen extern mit Limited Assurance geprüften CR-Bericht herausgebracht haben, arbeiten wir für dieses Jahr an einem Bericht, der zusätzlich möglichst viele der aktuell diskutierten CR-Berichtsstandards abdeckt.

Daniela: Das heißt das, was wir als PwC Deutschland mit unserer Sustaining Values Initiative an Dienstleistungen und Produkten anbieten, wenden wir auch selbst an. Und wir gehen noch einen Schritt weiter und beschäftigen uns mit dem Nutzen aller unserer Produkte und Dienstleistungen für die Gesellschaft – im Sinne von „welchen Nutzen stiftet ein ordnungsgemäß geprüfter Jahresabschluss“ oder „was tragen wir zur wirtschaftlichen Entwicklung bei“.

Miriam: Das stimmt. Unter anderem modellieren wir unsere Effekte in den vorgelagerten Wertschöpfungsstufen durch eine Input-Output Modellierung mit dem PwC-eigenen Tool „Efficient Supply Chain Economic and Environmental Reporting“ und dem PwC TIMM Modell. So können wir unseren Impact auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft ermitteln. Kurz gesagt: Unseren positiven Effekten von ca. 3.000 Millionen Euro standen im Geschäftsjahr 2020 negative Effekte von ca. 155 Millionen Euro gegenüber.

Incken: Außerdem bekennen wir uns zu den 17 Zielen einer nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen, den UN SDGs. Für uns als deutsche Gesellschaft des PwC Netzwerks haben wir fünf Ziele als die für uns wesentlichsten identifiziert: 

  1. SDG 4 – Quality Education
  2. SDG 5 – Gender Equality
  3. SDG 8 – Decent Work & Economic Growth
  4. SDG 12 – Responsible Consumption and Production 
  5. SDG 13 – Climate Action

Derzeit arbeiten wir daran, unsere Beiträge zu diesen Zielen quantifiziert ausweisen zu können, womit wir praktisch ausprobieren, wie das mit der ESG-Impact-Messung weiter gehen kann.

Daniela: Was für weitere Maßnahmen stehen an, mit denen PwC Deutschland seinen gesellschaftlichen Wertbeitrag in den kommenden Jahren maximieren möchte? 

Miriam: Bis zum Jahr 2030 wollen wir unser Net Zero Klimaziel  erreichen. Dafür werden wir in den nächsten neun Jahren unsere CO2-Emissionen halbieren und dann die verbleibenden Emissionen durch Investitionen in negative Emissionstechnologien auf Netto-Null ausgleichen. Die Emissionen aus unseren Reisetätigkeiten sowie unseren Energieverbrauch und Teile unserer Lieferkette gleichen wir bereits heute über sozial-ökologische Einsparprojekte aus. Und wir haben es geschafft, unser Wachstum von unseren Umweltauswirkungen zu entkoppeln: Unsere CO2-Emissionen sanken in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent pro Mitarbeiter:in, während unser Umsatz um 75 Prozent stieg. Natürlich bieten wir Net Zero auch für unsere Kunden an, indem wir ein breites und branchenübergreifendes Net Zero Beratungsportfolio hierzu aufgestellt haben.

Incken: Mit der Initiative „New Work. New Skills.” unterstützt PwC Deutschland Mandant:innen, Mitarbeiter:innen und Zivilgesellschaft beim Erwerb von Digitalisierungskompetenzen. Auch deshalb investiert PwC Deutschland jährlich rund 145 Millionen Euro in die Qualifizierung der Mitarbeiter:innen. Diese wiederum leisten durchschnittlich 10.000 Stunden pro Jahr mit Volunteering und Pro-Bono-Aktivitäten. Und wir honorieren und unterstützen das private soziale Engagement unserer Mitarbeiter:innen, das wir jährlich mit PwCs Social Award auszeichnen.

Miriam: Aber auch an Produktinnovationen sind wir als CR Team beteiligt. Mit der Dienstleistung Green Audit+ bieten unsere Assurance Kollegen:innen am Markt eine besonders umweltfreundliche Umsetzung der Jahresabschlussprüfung an. Dies hilft unseren Mandant:innen ihren eigenen Scope 3 CO2-Fußabdruck noch stärker zu reduzieren als es in der Vergangenheit möglich war.

Daniela: „Verantwortliches Wirtschaften“ ist also nicht nur Grundlage, sondern auch Zukunft unseres Geschäfts. Denn profitables Wirtschaften ist zwar wichtig, aber nicht Selbstzweck eines und schon gar nicht unseres Unternehmens. Schließlich erwarten Öffentlichkeit und Politik zu recht, dass wir nachweisbar unserem Auftrag als regulierter Professional Service Firm gerecht werden, denn „the business of business is society“.

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