Wette verloren – Nachhaltigkeitsberatung gegründet

25 Jahre Dienstleistungen zu Umwelt und Nachhaltigkeit bei PwC – wie alles begann und warum das Thema wichtiger denn je ist

Es war eine verlorene Wette, mit der bei PwC 1994 Umwelt und Nachhaltigkeit Teil des Dienstleistungsspektrums wurden. In meinem Blogbeitrag befrage ich Barbara Wieler und Dieter W. Horst – zwei, die damals dabei waren – zur Entwicklung und Etablierung des Nachhaltigkeitsgedankens in der Wirtschaft und wie PwCs initiale Projekte diese Entwicklung unterstützen.

War es wirklich eine verlorene Wette, die dazu führte, dass PwC bereits vor 25 Jahren Umwelt- und Nachhaltigkeitsleistungen in ihr Angebot aufgenommen haben?

Dieter: Tatsächlich. Zwei Vorstände hatten damals gewettet, dass innerhalb von drei Jahren Umweltthemen Teil der Jahresabschlussprüfung sein würden. Und dass PwC deshalb sofort Expertise zu Umweltmanagement aufbauen müsse.

Mit der Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und Prüfungspflichten hat es dann allerdings doch ein bisschen länger gedauert …bis 2018.

Dieter: Die Wette ging verloren, richtig. Aber schon 1996 hatte PwC dann die Coopers & Lybrand Umwelt-Audit GmbH gegründet und führte Umweltzertifizierungen durch. Aber die wirklich herausfordernden Projekte waren die ersten Beratungsprojekte.

Barbara: Wie eine Einführung eines integrierten Managementsystems bei einem großem Chemiestandort – Qualität, Umwelt, Arbeitsschutz, Anlagensicherheit. Und das alles gerichtsfest, prozessorientiert und IT-gestützt. 1996 war das noch eine Sensation.

Dieter: Und gleichzeitig wollten Unternehmen nicht nur systematischen, zertifizierten Umweltschutz, sondern auch geprüfte Umweltberichte veröffentlichen. 1998 fragte ein Mandant, ob man nicht seinen Umweltbericht wie einen Jahresabschluss prüfen könne. Gute Frage, fanden wir. So kam es, dass wir – meines Wissens nach – die erste Prüfung eines nichtfinanziellen Berichts in Deutschland durchgeführten hatten.

Das heißt PwC war vorne mit dabei, indem wir Standards und Erfahrungen aus der Welt der Wirtschaftsprüfung in die Welt der Nachhaltigkeit überführten. Ab wann haben wir denn  selbst Standards gesetzt zu Nachhaltigkeitsthemen?

Barbara: Das begann 1999 mit einer PwC Task Force zur Beratung von Energieunternehmen und energieintensiven Betrieben – als sich das Thema CO2-Emissionen verdichtete. Als dann 2000 das EU Grünbuch zum Emissionsrechtehandel herauskam, nahm das Thema Klimawandel an Fahrt auf.

PwC hatte damals wie heute den Anspruch, Impulse zu Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu setzen und mit Pionierprojekten Standards zu setzen. Was konnten wir denn am Anfang zum Thema Klimaschutz  beitragen?

Barbara: Das fing mit Studien an, z.B. zum Einbezug von Sektoren in das Emissionshandelssystem und mit Projekten zum Aufbau der Infrastruktur für den Emissionshandel. Und leitete über zu Projekten bei denen PwC „Produkte“ für CO2-Ausgleichsmaßnahmen in deutschen Naturschutzgebieten entwickelte.

Das heißt, wir waren schon sehr früh an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft und Nachhaltigkeit unterwegs – als Mittler und Kompetenzträger zwischen verschiedenen Anspruchsgruppen? 

Barbara: Ein Teil unseres Auftrags als PwC im Kontext Nachhaltigkeit war und ist das Zusammenbringen von ökonomischem Sachverstand mit Erfordernissen der Nachhaltigkeit. Schon 2003 erstellte PwC im Auftrag einer NGO bspw. eine Studie zu Handlungsmöglichkeiten für eine Finanzierung von Naturschutzmaßnahmen. Oder eine Studie für ein Ministerium zum Marktpotenzial nachhaltiger Wirtschaftssektoren in ländlichen Räumen. Ziel war die  Entwicklung einer neuen, ökologisch ausgerichteten Förderpolitik.

Aber nicht nur beim Agenda-Setting und Unterstützung der Politik war PwC damals vorne mit dabei. Welche Rolle nahm PwC bei der Berichterstattung und Etablierung von ESG-Standards in Unternehmen ein?

Dieter: Anfang der 2000er Jahre haben wir erstmals gegen den damals neuen Standard der Global Reporting Initiative geprüft. Und Prüfung war damals schon auch eine erzieherische Aufgabe. Ein Mandant brachte das mal so auf den Punkt: „Wissen Sie, Ihr Stempel unter unserem Bericht ist nett, aber was wirklich nützt, sind Ihre Hinweise, wo unser Nachhaltigkeitsmanagement besser werden kann.“ 

Barbara: Und da war noch der Mandant, der sagte: „Als wir unseren zweiten Nachhaltigkeitsbericht verfassten, da haben wir gemerkt: wir haben überhaupt kein Nachhaltigkeitsmanagement.“ Aus solchen Erfahrungen konnten wir Feedback für die Standardsetter generieren. Sagen, wo es Lücken gab oder welche Anforderungen unrealistisch war. 

Dieter: Und wir haben bei immer mehr ESG-Themen unterstützt. Als das Thema nachhaltige Lieferkette gerade seinen Anfang nahm – bspw. beim Projekt „Assured Wood Transparency“. Wir standen auch bei der weltweit ersten Aufstellung einer Environmental Profit & Loss Bilanz beratend zur Seite. Oder beim ersten produktbezogenen Impact -Bericht.

Barbara: Wichtig war damals wie heute, dass wir im Dialog mit Mandanten, NGOs oder der Politik halfen, ESG-Standards zu entwickeln, sie in der Praxis zu erproben und durch Feedback bzgl. Machbarkeit, die Weiterentwicklung zu unterstützen. Und selbst Innovationen in Bezug auf Nachhaltigkeit zu entwickeln. 

Wenn ich von Euch unsere Geschichte höre, bin ich wirklich stolz darauf, welch lange Tradition wir im Thema Nachhaltigkeit bereits haben und welche Pionierarbeit im Verbinden der Stakeholder Ihr geleistet habt. Gerade in der aktuellen Situation, wo die nachhaltige Transformation und deren Messbarkeit eine so aktuelle und wichtige Aufgabe vieler Unternehmen ist, sind wir mit unserer langjährigen Expertise ein starker Partner. Und wir schreiben diese Geschichte fort, wie zum Beispiel aktuell mit unserem Engagement in der Initiative Pathways to Paris gemeinsam mit dem WWF.

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