CBAM im Einkauf: Wie Importeure CO₂-Kosten mit smarten Beschaffungs- und Hedging-Strategien steuern
- 7 Minuten Lesezeit
Aus unserer Blogreihe „Nachweisbar“
Ein gemeinsamer Beitrag von PwC Deutschland und enmacc.
Seit 2026 wirkt CBAM direkt auf Einkauf, Preise und Margen von Importeuren. Viele Unternehmen konzentrieren sich noch auf die Berichtspflichten, doch im Hintergrund schwanken bereits CO₂-kostengetriebene Mehrbelastungen mit dem EU ETS Preis. Wie lassen sich diese neuen Kosten transparent machen und aktiv steuern? Und welche Rolle spielen Beschaffungsstrategien und Hedging dabei? Der Beitrag gibt einen kompakten Einstieg.
CBAM als neuer Kosten- und Risikofaktor im Importgeschäft
Seit 2026 ist der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM in seiner Regelphase aktiv und somit gelebte Unternehmensrealität. Für Importe emissionsintensiver Güter wie Aluminium, Eisen und Stahl, Strom, Wasserstoff, Düngemittel oder Zement in die EU fallen über den verpflichtenden Kauf von CBAM-Zertifikaten zusätzliche CO₂-Kosten an. Der Preis dieser Zertifikate ist an den Preis für EU‑Emissionsberechtigungen (EU Allowances, EUA) im EU‑Emissionshandelssystem (EU‑ETS) gekoppelt.
Während die erste Einreichung von CBAM-Berichten und Zertifikaten zeitlich versetzt erfolgt, müssen diese Kosten bereits heute in mittelfristigen Unternehmensplanungen, Einkaufsbudgets, Margenmodellen und Preislisten berücksichtigt werden - oft über Mechanismen, die über eine einfache Weitergabe an den Kunden hinausgehen.
In der Praxis stehen aktuell häufig Prozesse und Berichtspflichten im Vordergrund. Gleichzeitig entsteht mit CBAM eine neue, volatile Kostenkomponente, die sich nicht automatisch in den etablierten Steuerungslogiken von Einkauf, Controlling und Risikomanagement wiederfindet. Unternehmen müssen daher entscheiden, ob sie CBAM lediglich erfüllen oder CO₂-Kosten aktiv als steuerbare Größe im Einkauf begreifen wollen.
CBAM-Kosten verstehen und in Margen und Preisen abbilden
CBAM-Kosten folgen einer klaren, aber oft unterschätzten Logik. Vereinfacht gilt: Sie ergeben sich aus der importierten Menge an CBAM-Waren, der jeweiligen Emissionsintensität und dem CBAM-Preis.
Da sich die Menge aus Produktions- oder Versorgungssicht aber nur begrenzt kurzfristig beeinflussen lässt, ist der Hebel über die Emissionsintensität umso wichtiger. Verifizierte tatsächliche Emissionswerte können deutlich unter den regulatorischen Standardwerten liegen. Müssen Standardwerte genutzt werden, steigt mit den Emissionen auch die benötigte Zertifikatsmenge und damit der Kostensatz je Produkt deutlich an, mit spürbaren Effekten auf Margen und Preisgestaltung.
Damit Unternehmen diese Effekte steuern können, müssen CBAM-Kosten auf Produkt- und Lieferantenebene sichtbar werden. Erst dann lassen sich Bruttomargen belastbar bewerten, Preisaufschläge nachvollziehbar begründen und vertragliche Anpassungen vorbereiten. Als Referenz für die CBAM-Preisentwicklung bietet sich der von der European Energy Exchange (EEX) veröffentlichte CBAM-Index an, der den CBAM-Preis wöchentlich, entsprechend seiner Kopplung an die EUA-Auktionsergebnisse abbildet.
CBAM-Zertifikate gezielt einkaufen
CBAM-Zertifikate lassen sich nicht unbegrenzt vorhalten und unterliegen zeitlichen Vorgaben. Die naheliegende Lösung ist daher, den Bedarf quartalsweise zu berechnen und Zertifikate kurz vor der Einreichungs- oder Vorhaltefrist zu kaufen. Diese Minimalstrategie erfüllt die Regulierung, blendet aber den wichtigsten Kostentreiber aus: den an den EUA-Preis gekoppelten CBAM-Preis und dessen deutliche Fluktuation.
Wer CBAM-Kosten aktiv steuern möchte, braucht für die CBAM-Zertifikate eine Beschaffungsstrategie, die zum eigenen Geschäftsmodell und der strategischen Ausrichtung passt. Wichtige Einflussgrößen sind Importplanung und Qualität der entsprechenden Prognosen, verfügbare Liquidität, das Risikoprofil des Unternehmens sowie die Möglichkeit, CBAM-Kosten entlang der Wertschöpfungskette weiterzugeben. Daraus lassen sich Strategiemuster ableiten, etwa gestaffelte Käufe über das Jahr, der Einsatz von Triggerpreisen oder der regelmäßige Zukauf fester Teilmengen. So können Preisspitzen geglättet, Budgetrisiken reduziert und CBAM-Kosten besser mit Einkaufs- und Vertriebsentscheidungen verzahnt werden.
Preisrisiken über EUAs absichern
CBAM-Preisrisiken lassen sich in einem strukturierten Hedging-Prozess steuern. Typischerweise umfasst dieser fünf Schritte, von der Analyse der Exposition, also der künftig zu erwarteten CBAM-Mengen und -Kosten, über die Festlegung von Zielen und Strategien bis zur laufenden Überwachung der Hedge-Positionen.
Ein naheliegender Ansatz ist, die CBAMPreisexposition über Produkte aus dem bestehenden EUEmissionshandel abzusichern, also EUAs als ProxyHedge zu nutzen. Die Preiskomponente des CBAM-Risikos wird durch den Durchschnitt der EUA-Auktionsergebnisse der Vorperiode definiert (2026 quartalsweise, danach wöchentlich).
Wie die Grafik zeigt, verlaufen EUA‑Spotpreise und der CBAM-Referenzpreis der EEX sehr nahe beieinander. Aufgrund dieser hohen Korrelation liegt es nahe, EUAs als Proxy Hedge für CBAM-Preisrisiken zu nutzen. Unternehmen können damit ein Preisniveau bereits vor dem eigentlichen Beschaffungszeitpunkt der CBAM‑Zertifikate absichern und so Budget- und Planungssicherheit gewinnen.
Um dies zu testen, haben wir eine einfache Hedging-Strategie anhand historischer Marktdaten modelliert und ihre Wirkung gemessen.
- Kauf von EUA-Zertifikaten für das erwartete jährliche CBAM-Mengenvolumen (in t CO2) über Spot oder Forwards vor Jahresbeginn
- Wöchentlicher Verkauf eines entsprechenden EUA-Teilvolumens am Mittwoch am Spotmarkt, um in der Folgewoche die benötigten CBAM-Zertifikate zu erwerben
Auf Basis historischer EUA‑Spotpreise und des CBAM-Referenzpreises ergibt sich eine Hedge‑Effektivität, also eine Risikominderung, von 96 Prozent für 2024 und 98 Prozent für 2025. Damit wird ein sehr großer Teil der Preisvolatilität abgefedert.
Die grafische Darstellung der wöchentlichen Differenz zwischen Exposition und Hedge zeigt, dass das durchschnittliche Delta mit 0,05 Euro je t CO₂ in 2024 und 0,23 Euro je t CO₂ in 2025 sehr gering ist, auch wenn es in einzelnen Wochen Ausschläge nach oben oder unten gibt. Solche Spitzenrisiken lassen sich weiter reduzieren, wenn CBAM‑Zertifikate beziehungsweise die zugrunde liegenden EUA‑Positionen zeitlich gestaffelt beschafft werden.
Es handelt sich hierbei bewusst um ein vereinfachtes Beispiel, das zeigt, dass EUAs grundsätzlich wirksam zur Absicherung von CBAM‑Preisrisiken eingesetzt werden können. Die Handelsstrategie kann weiter verbessert werden, etwa durch den gezielten Einsatz von EUA-Terminkontrakten zur Preisfixierung und durch klare Regeln für Aufbau, Rollierung und Überwachung der Hedge‑Positionen.
- Nächste Schritte für ein professionelles CBAM-Kostenmanagement
CBAM wird Unternehmen über viele Jahre begleiten. Wer sich auf eine reine CBAM‑Compliance beschränkt, also fristgerechte Berichterstattung und den notwendigen Zertifikatskauf, riskiert dauerhaft hohe und volatile CO₂‑Kosten. Ein aktives CBAM‑Management geht darüber hinaus: Es verbindet Compliance mit transparenter Kostenanalyse, strategischer Beschaffung und Hedging, um Preisrisiken gezielt zu steuern. Darauf aufbauend sollten Governance, Verantwortlichkeiten und Prozesse definiert werden, die Einkauf, Controlling, Risikomanagement und Treasury zusammenbringen.
Im nächsten Schritt geht es darum, Beschaffungsstrategien und mögliche Hedging-Ansätze in Richtlinien und Systeme zu übersetzen. Dazu gehören Anpassungen in Vertragsmustern, Reporting und IT, aber auch Schulungen für die beteiligten Teams. So wird CBAM von einer zusätzlichen Belastung zu einer steuerbaren Kostenposition, die sich aktiv in Preis und Margensteuerung einbinden lässt.
Weiterführende Links:
- https://blogs.pwc.de/de/sustainability/article/252847/cbam-regelphase-gestartet-kostensenkung-durch-strategische-steuerung/
- https://www.pwc.de/de/nachhaltigkeit/co2-grenzausgleichsmechanismus-cbam.html
- https://store.pwc.de/en/products/check-your-value-chain/cbam-module
- Herkunftsnachweise in der Industrie – Nutzung für energierechtliche Entlastungen
- https://blogs.pwc.de/de/sustainability/article/251830/dekarbonisierung-der-stahlproduktion-zertifikate-sind-der-schluessel-fuer-einen-wasserstoff-leitmarkt/
- https://blogs.pwc.de/de/sustainability/article/251469/herkunftsnachweise-hkn-im-fokus-markttrends-herausforderungen-und-perspektiven-fuer-die-zukunft/
- https://blogs.pwc.de/de/sustainability/article/250579/eu-ets-2-im-fokus-wandel-vom-kostenfaktor-zum-ergebnistreiber/
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