Europäische Unternehmen und Banken im Klima-Stresstest

Wie sich Klimarisiken und ihre negativen wirtschaftlichen Folgen verlässlich ermitteln und rechtzeitig abfangen lassen.

Der Klimawandel kann für Wirtschaftsunternehmen und Banken gravierende wirtschaftliche Folgen haben, wenn sie Klimarisiken nicht rechtzeitig begegnen. Das ist das Kernergebnis des ersten Klima-Stresstests der Europäischen Zentralbank. Wie aber können sich Unternehmen und Banken auf den Klimawandel und damit verbundene Risiken einstellen? Warum – und wie – Organisationen jetzt handeln sollten, erklären meine Kollegin Radka Margitova und ich im aktuellen Blogbeitrag.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrem Klima-Stresstest 2021 untersucht, wie sich der Klimawandel auf mehr als vier Millionen Unternehmen weltweit und 1.600 Banken im Euroraum auswirken wird. Ergebnis: Ohne geeignete Gegenmaßnahmen hat der Klimawandel auf Wirtschaftsunternehmen im Allgemeinen und Banken im Speziellen voraussichtlich gravierende ökonomische Folgen.

Interne Datenerhebung mit Tücken

Für mich steht daher fest: Unternehmen und Banken haben keine Zeit zu verlieren und sollten sich besser heute als morgen auf den Klimawandel und seine Folgen einstellen. Was bedeutet das konkret für ihr Risikomanagement?

Aus vielen Projekten kennen wir die größten praktischen Herausforderungen von Unternehmen und Banken. Im Vordergrund stehen ganz klar die Daten, die sie benötigen, um die Klimarisiken für ihre Organisation möglichst genau einzuschätzen.

Unternehmen können die benötigten Daten selbst erheben und eigene Klimamodelle entwickeln. Das birgt aus meiner Sicht zwei Schwierigkeiten: Erstens dauert das lange – in aller Regel zu lange, weil der nächste Klima-Stresstest schon im Januar 2023 startet. Und: Nur etwa ein Drittel der erforderlichen Daten lässt sich unternehmensintern erheben, etwa aus dem bestehenden Reporting.

Transparenz über Klimarisiken dank PwC Climate Excellence

Für die anderen beiden Drittel müssen Organisationen auf externe, am Markt erhältliche Datenquellen zugreifen – und tun dies deshalb mehrheitlich auch, etwa mit Lösungen wie dem PwC-Tool „Climate Excellence“.

Einsichten in Klimarisiken und -chancen helfen Banken

  • den Umfang ihrer zukünftigen Klimarisiken zu erfassen,
  • diese Risiken im Standardprozess greifbar zu machen,
  • Zukunftspotenziale als Werttreiber zu nutzen,
  • Einsichten in ihre Positionierung im Wettbewerb zu gewinnen
  • die Anforderungen bestehender und erwarteter Stress-Tests, die Offenlegungsempfehlungen der Task Force on Climate Related Financial Disclosure (TFCD) und die Richtlinie für nicht finanzielles Reporting effizient umzusetzen.

Die Szenarioanalysen des Tools schaffen maximale Transparenz, indem es die finanziellen Auswirkungen des Klimawandels visuell aufbereitet:

Vollständige Risikointegration ist der sinnvollste Ansatz

Viele unserer Mandant:innen gehen inzwischen zu einer vollständigen Risikointegration über – aus meiner Sicht ein sehr sinnvoller Ansatz. Sie analysieren, welche internen und externen Stakeholder-Gruppen auch an der Schnittstelle zur Dekarbonisierung und Taxonomie auf welche Weise involviert sein müssen und welche Informationen sie benötigen. Klimarisiken sind also auch ein Governance-Thema. Schließlich wird uns das Thema weiter begleiten.

Ein Klima-Stresstest wie der von der EZB initiierte ist meiner Ansicht nach nur einer der ersten Schritte auf dem Weg in Richtung mehr Nachhaltigkeit. Neue Reporting-Anforderungen und andere Initiativen erhöhen ganz klar auch seitens der Regulatorik den Druck. Und dem Klimathema werden weitere ESG-Aspekte folgen, zum Beispiel die biologische Vielfalt und im weiteren Verlauf soziale und Governance-Aspekte.

Frühzeitig die richtigen Weichen stellen

Daher sollten Unternehmen und Banken die ESG-Kriterien schon heute bei all ihren Aktivitäten mitdenken und überlegen, wie sich Klima- und Nachhaltigkeitsziele in ihren internen Risikorahmen eingliedern lassen – und welche Konsequenzen Klimaszenarien für ihre strategische Ausrichtung haben. Um es aus meiner Sicht deutlich zu sagen: Mit einer einmaligen Initiative ist es nicht getan, der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit ist auf Dauer.

Unternehmen sind daher gut beraten, die erforderlichen Daten dafür rechtzeitig zu sammeln, Klimamodelle anzupassen und die bestehende Infrastruktur so auszubauen, dass sie die verschiedenen Dimensionen berücksichtigt. Es lohnt sich, sich früh auf den Weg zu machen. Ansonsten könnten Unternehmen und Banken den richtigen Abzweig verpassen – mit möglicherweise deutlich negativen wirtschaftlichen Folgen.

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Kontakt

Dr. Nicole Röttmer

Dr. Nicole Röttmer

Partnerin
Hamburg

Tel.: +49 40 6378-1191

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