Immer mehr Firmen ernennen einen Chief Sustainability Officer (CSO)

Eine Studie von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, belegt: Über ein Drittel der deutschen Firmen beschäftigen mittlerweile einen CSO

Nachhaltigkeit wird endlich zum Management-Thema: Immer mehr Unternehmen weltweit ernennen einen Chief Sustainability Officer (CSO), um das Thema Nachhaltigkeit in der obersten Führungsebene zu verankern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie meiner Kollegen Peter Gassmann und Robert Bischof von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, für die 1.640 Unternehmen in 62 Ländern weltweit befragt wurden.

Früher war der Bereich Nachhaltigkeit in den meisten Unternehmen von den wichtigen Geschäftsentscheidungen abgeschnitten und beschäftigte sich typischerweise damit, die Risiken für die Sicherheit oder Reputation des Unternehmens zu senken.

Diese Zeiten sind vorbei!

Heutzutage erhöhen Unternehmen weltweit ihren Fokus auf ESG-Themen – also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Viele Führungskräfte wissen aber nicht, wo und wie genau sie aktiv werden sollen, da ESG ein sehr komplexes Feld ist. Hier kann ein Chief Sustainability Officer, kurz CSO, einen echten Unterschied machen, denn er oder sie treibt die nachhaltige Veränderung im Unternehmen voran und erhöht die Visibilität und Verbindlichkeit bei dem Thema.

Ein Drittel der deutschen Firmen hat einen CSO

Über ein Drittel der deutschen Firmen beschäftigt mittlerweile eine:n solchen CSO, der oder die bei der oberen Management-Ebene angesiedelt ist. Weltweit sind es rund 30 Prozent. Weitere 49 Prozent der Unternehmen weltweit haben einen „CSO Light“, also eine:n CSO, der oder die unterhalb der beiden oberen Führungsebenen angesiedelt ist oder nur einen Teil der Themen verantwortet, etwa Corporate Social Responsibility. Nur jedes fünfte Unternehmen verfügt über keinerlei CSO-Funktion.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, für die Strategy&, die Strategieberatung von PwC Deutschland, 1.640 Unternehmen in 62 Ländern weltweit befragt hat.

Die fünf wichtigsten Erkenntnisse der Studie im Überblick:

  1. Anzahl der CSO-Nominierungen steigt stark an: Im Jahr 2021 wurden 68 Chief Sustainability Officer ernannt – das sind mehr als in den fünf Jahren zusammen zuvor: Zwischen 2016 und 2020 waren nur 65 CSOs ernannt worden. Diese Entwicklung belegt das wachsende Bewusstsein für diese progressive Rolle.

  2. Große Unterschiede je nach Branche: Insbesondere die Branchen, die den Druck von Regulatoren, Investoren und der Öffentlichkeit zu mehr Nachhaltigkeit spüren, haben einen hohen Anteil an CSOs. Das sind vor allem konsumentenorientierte Sektoren mit hohem Energiebedarf: So hat jeder zweite Konsumgüterhersteller einen CSO, 45 Prozent der Chemieunternehmen und 42 Prozent der Öl- und Gasfirmen.

  3. Deutschland gehört zu den Pionieren: An der Spitze steht Frankreich, wo 57 Prozent der Unternehmen einen CSO beschäftigen. In den USA sind es 47 Prozent, in Indien 44 Prozent. Deutschland schafft es mit einem CSO-Anteil von 35 Prozent auch in die Gruppe der Pioniere.

  4. Interne Kandidaten bevorzugt, Frauen & Männer gleichauf: Beim Rekrutieren für die CSO-Position bevorzugen die Unternehmen weltweit interne Kandidat:innen (59 Prozent). Bei der Besetzung herrscht fast Parität zwischen den Geschlechtern: 48 Prozent der CSOs sind weiblich, 52 Prozent männlich.

  5. Korrelation zwischen CSO und ESG-Ranking: Das Abschneiden eines Unternehmens in Sachen ESG hängt eng mit der CSO-Position zusammen: 98 Prozent der Unternehmen, die in Sachen ESG führend sind – also Ratings zwischen A+ und A- im Sustainability-Ranking von Refinitiv/Bloomberg aufweisen – haben einen eigenen CSO. Umgekehrt hatten 52 Prozent der Unternehmen mit schwachem ESG-Ranking (D+ bis D-) keinen CSO.

Was folgt aus den Studienergebnissen? – Drei Handlungsempfehlungen

Ich finde die Ergebnisse der Studie äußerst spannend und wegweisend für die ESG-Transformation von Unternehmen. Für mich ergeben sich daraus drei zentrale Handlungsempfehlungen:

  • Nachhaltigkeitsprojekte strategisch bündeln
    Die verschiedenen ESG-Dimensionen sind zu einem wichtigen Bewertungskriterium für Unternehmen geworden. Nicht nur die Finanzierung, sondern auch die Wahrnehmung des Unternehmens auf dem Bewerbermarkt und in der Öffentlichkeit hängt von der ESG-Transformation ab. Um bei Nachhaltigkeitsthemen glaubwürdig zu sein, sollten Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsprojekte strategisch und operativ im Topmanagement bündeln.

  • Die ESG-Transformation als Team-Sport betrachten
    Die ESG-Transformation betrifft alle Bereiche des Unternehmens. Damit diese Transformation langfristig erfolgreich ist, muss sie vom ganzen Management getragen werden. Eine:n CSO zu ernennen, ist ein guter erster Schritt und wichtiger Treiber, denn er erhöht die Visibilität und Verbindlichkeit für das Thema und stellt ein Alignment zwischen den verschiedenen ESG-Initiativen im Unternehmen her. Die Nominierung eines CSO ist aber nicht ohne Risiko: Es besteht die Gefahr, dass man die Verantwortlichkeit für ESG nur auf die Rolle fokussiert und nicht als Gesamtausgabe versteht. Das sollte nicht passieren, denn die ESG-Transformation ist Teamsport und nichts für Einzelkämpfer.

  • Nachhaltigkeit als Innovationstreiber nutzen
    Nachhaltigkeit ist ein immer wichtiger werdender Erfolgsfaktor für Unternehmen und sollte mehr und mehr auch als Innovationstreiber gesehen werden. Mit den heutigen Technologien können wir die gesetzten Klimaziele kaum erreichen. In einem Land wie Deutschland mit einem starken Industriesektor haben wir jedoch die Chance, innovative Technologien für eine nachhaltige Transformation unserer Wirtschaft zu entwickeln und diese als Standortvorteil zu nutzen.

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