Alternative Investments in der Versicherungsbranche

Gegenüber großen und global agierenden Versicherungsunternehmen haben kleinere Versicherer mit geringeren Investitionsvolumen meist einen erschwerten Zugang zu Investitionsprojekten.

Das aktuelle Niedrigzinsumfeld zwingt Anleiheinvestoren schon seit einiger Zeit zum Umdenken. Um ansatzweise attraktive Renditen zu erwirtschaften, müssen höhere Risiken in Kauf genommen werden. Die Kapitalmärkte waren nicht zuletzt aufgrund der Auswirkungen von Covid-19 von hohen Volatilitäten geprägt, was sich auch auf die Solvabilität der Lebensversicherer übersetzte. Die Ableitung konkreter Maßnahmen zur Stabilisierung der Solvency-II-Quote über den kritischen 100% wird für einige Lebensversicherungen im aktuellen Kapitalmarktumfeld daher zu einer immer wichtigeren Aufgabe. Dabei spielen Investitionen in alternative und illiquide Kapitalanlagen zunehmend eine zentrale Rolle.

Gegenüber großen und global agierenden Versicherungsunternehmen haben kleinere Versicherer mit geringeren Investitionsvolumen meist einen erschwerten Zugang zu Investitionsprojekten. Im Markt beobachtet man jedoch den Trend eines Anstiegs an Angebot von Infrastrukturinvestments, wobei die Abbildung über Dritt-Fonds limitiert ist und die Expertise für diese Assetklasse meist teuer eingekauft werden muss.

Die praktische Relevanz wird durch einen vor Kurzem veröffentlichten Ergebnisbericht des Ausschusses Investment der Deutschen Aktuarvereinigung zum Thema “Praktischer Einsatz von Alternative Fixed Income und Equity” nochmals unterstrichen. Dieser setzt sich mit den gängigsten Formen alternativer Investment auseinander.

  1. Infrastructure Debt
    Hierbei handelt es sich um Finanzierung von Projekten aus den Branchen Transport, Versorgung und Soziale Einrichtungen in Form von Eigen- oder Fremdkapital. Die Strukturierung der Investments erfolgt meist anhand von Senior Secured Loans, die vorrangig bei einer Insolvenz bedient werden.
    Infrastructure Debt zeichnet sich besonders durch einen planbaren Cashflow aus. Historisch gesehen weisen diese Investments auch ein solides Kreditrating, eine geringere Ausfallwahrscheinlichkeit mit hohem Recovery Potential und geringe Ratingvolatilität aus. Diese Buy-and-Hold Investments sind besonders für Lebensversicherungen und Pensionseinrichtungen zum Matching der passivseitigen Cashflows geeignet.

    Infrastrukturprojekte kommen meist in zwei Formen vor:

    1. als Projektfinanzierungen, die über ein SPV abgebildet werden und eine bestimmte Laufzeit aufgrund vertraglicher und technischer Charakteristika haben, welche sich über die Laufzeit anhand der Auszahlungen amortisieren. Das meist festverzinsliche Pricing wird mit ca. 100 bis 400 bp über dem Referenzzinssatz festgelegt.
    2. als Unternehmensfinanzierungen, die regulierte Infrastrukturunternehmen wie Wasserversorger, Flughäfen oder Autobahnraststätten finanzieren und dabei als mittelfristige Kredite ausgestaltet werden. Die Non-Investment-Grade Finanzierung ist in der Regel etwas höher als die Projektfinanzierungen. Zugang steht Investoren über offene oder indirekte Fonds zur Verfügung.
  2. Infrastructure Equity
    Investoren in Infrastructure Equity erhalten den verbleibenden Cashflow nach Bedienung des Fremdkapitals und Abzug aller Kosten. Diese Art von Investments sind besonders für Sachversicherer attraktiv. Neben Marktrisiken sind v.a. auch operationelle Risiken wie Projekt-, Liquidität-, Technologie- oder Länderrisiko bei dieser Art von Investments zu beachten.
  3. Real Estate Debt – insb. Großfinanzierungen
    Die wohl bekannteste und stetig wachsende Form eines Real Estate Debt Investment ist die Vergabe von Hypotheken-Darlehen, bei denen neben Banken auch immer mehr Versicherer aktiv werden. Zu den Finanzierungsformen gehören Bestand-, Bau- und Entwicklungsfinanzierungen mit verschiedenen Risikoprofilen in Bezug auf Cashflow und Bonität.Real Estate Debt wird in der Solvenzkapitalanforderung nach Solvency II in den Risikokategorien Marktrisiko (insb. Zins- und Spreadrisiko) und operationelles Risiko (insb. Kreditprüfung und Besicherung) abgedeckt.

Die Modellierung alternativer Investments

Bei der Modellierung von alternativen Investments in Bewertungs- und Risikomodellen steht besonders die Berücksichtigung einer adäquaten Illiquiditätsprämie im Vordergrund. Die Illiquiditätsprämie ist dabei der zusätzliche Spread, welcher bei einer Investition in illiquide Vermögenswerte im Vergleich zu einer (hypothetischen) liquiden Investition mit ansonsten gleichen Merkmalen erzielt werden kann. Dabei sind folgende Aspekte zu beachten:

  • Versicherungsverträge haben vergleichsweise stabile und vorhersehbare Cashflows und Versicherungsunternehmen halten in der Regel Anleihen oder andere Vermögenswerte bis zur Fälligkeit, um die Illiquiditätsmerkmale der Versicherungsverbindlichkeiten zu erfassen.
  • Das Risiko erzwungener Verkäufe ist unter solchen Umständen begrenzt, d.h. die Illiquiditätsprämie kann tatsächlich erzielt werden.
  • Solvency II ermöglicht die Berücksichtigung eines zusätzlichen Spreads auf den risikofreien Zinssatz bei der Bewertung der technischen Rückstellungen, indem entweder die Matching-Anpassung oder die Volatilitätsanpassung verwendet wird.
  • Die kongruente Anpassung wird als Spread der von der Gesellschaft gehaltenen festverzinslichen Vermögenswerte abzüglich eines fundamentalen Spreads bestimmt, wobei die Volatilitätsanpassung nicht die von dem Unternehmen gehaltenen Vermögenswerte berücksichtigt, sondern basierend auf einem währungsspezifischen Referenzportfolio ermittelt wird.

Unter Solvency II führt eine Ausweitung der Illiquiditätsprämie zu einem Rückgang der Vermögenswerte. Dieser Rückgang wird auf der Passivseite nicht kongruent korrigiert, da die Volatilitätsanpassung nur eine Illiquiditätsprämie des Staats- und Unternehmensportfolios berücksichtigt. Alternativen Anlagen wird eine Illiquiditätsprämie von Null zugewiesen. Infolgedessen kann die potenzielle Volatilität der Illiquiditätsprämie alternativer Investitionen zu einer Volatilität der Eigenmittel unter Solvency II führen.

Wir unterstützen Sie in Ihren Fragestellungen rund um das Thema ‘Alternative Investments’ im Modellmanagement vor allem im ALM-Kontext. Darüber hinaus steht Ihnen Actuarial Services mit einer Reihe von Dienstleistungen im Bereich der Modellierung zur Seite. Zum Austausch steht Ihnen unser Team rund um Wladimir Arnst und Tilmann Schmidt gerne zur Verfügung.

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