EIOPA: Bericht zur Finanzstabilität

In dem Bericht werden die wesentlichen Risiken im Zusammenhang mit der COVID 19-Krise für den Versicherungssektor und Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung definiert.

Am 30. Juli 2020 hat EIOPA ihren Bericht zur Finanzstabilität im europäischen Versicherungs- und Rentenversicherungssektor veröffentlicht.

In dem Bericht werden die wesentlichen Risiken im Zusammenhang mit der COVID 19-Krise für den Versicherungssektor und Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung definiert. Diese werden anschließend sowohl qualitativ als auch quantitativ bewertet. Darüber hinaus enthält der Bericht zwei weitere Themen. Zum einen wird die EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzwirtschaft aus der Perspektive des Versicherungs- und Rückversicherungssektors behandelt (siehe Blog-Beitrag vom 10. August 2020), zum anderen werden die Auswirkungen der EIOPA Erklärungen auf die Dividenden der Versicherer empirisch untersucht. Dabei wurden nur geringfügige negative Auswirkungen auf die Aktienkurse der Versicherer festgestellt.

Zunächst wird in dem Bericht hervorgehoben, dass durch den marktwert- und risikobasierten Ansatz von Solvency II die finanziellen Folgen der COVID-19 Krise zum Teil abgeschwächt werden konnten. Versicherer waren in der Lage ihr Kapital besser am Risiko auszurichten, die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen sowie Risikomanagementpraktiken zu verbessern. Darüber hinaus wurden die Folgen von COVID-19 bedingten Marktvolatilitäten durch Anpassungen für langfristige Garantien eingeschränkt. Ein weiterer Faktor war auch die solide Kapitalisierung der Versicherer, die zumindest erste Marktschocks relativ gut abfing.

EIOPA führte eine qualitative Untersuchung unter den nationalen Behörden durch, um die Signifikanz der Risiken zu identifizieren, die sich aus dem COVID-19 Schock für die Stabilität des Versicherungssektors ergeben können. Dabei wurden die Risiken in den folgenden sechs Bereichen als wesentlich eingestuft:

  • Rentabilität des Anlageportfolios
  • Die Solvabilitätslage
  • Exponierung gegenüber Kreditinstituten
  • Rentabilität des Underwritings
  • Konzentration auf inländische Staatsrisiken
  • Cyberrisken

Weiterhin werden Herausforderungen und Marktschocks definiert mit denen Versicherer in der Zukunft konfrontiert sein könnten. Eine Herausforderung wird das anhaltende Niedrigzinsumfeld darstellen. Ferner sei eine Erhöhung des Kreditrisikos zu beobachten, was die Bewertung der Aktivseite und die Solvenzpositionen negativ beeinflussen könnte. Es ist möglich, dass sich die negativen makroökomischen Aussichten auch auf die Rentabilität der Unternehmen auswirken, sodass u.a. das Risiko von Rating-Herabstufungen zunimmt. Im Fokus stehen auch weitere Themen wie zum Bespiel Rechtsstreitigkeiten hinsichtlich der Unklarheit bezüglich der Deckung virusbedingter Ansprüche. Angesichts dieser Entwicklungen könnten sich Risiken in den Bilanzen der Versicherer mit erheblicher Verzögerung und hoher Unsicherheit materialisieren.

Die Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung könnten u.a. aufgrund ausgesetzter bzw. verringerter Beiträge zudem Finanzierungs- und Liquiditätsprobleme haben. Insbesondere Pensionsfonds könnten erhebliche Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Beiträge haben und dadurch die nationalen Rentensysteme belasten Daher sollten diese einer stärkeren aufsichtsrechtlichen Überwachung unterliegen.

Außerdem arbeitet EIOPA weiterhin eng mit den nationalen Aufsichtsbehörden zusammen. Es wurden bereits verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um eine operative Entlastung von Versicherungsunternehmen sicherzustellen. Zum Beispiel wurden Meldefristen verlängert, nicht wesentliche Prüfungen vorerst ausgesetzt oder das Inkrafttreten von nationalen Regulierungsinitiativen verschoben. Auf der Kapitalseite wurden Dividendenausschüttungen gestrichen oder reduziert.

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