BaFin: Zweite Marktuntersuchung zu Restschuldversicherungen

Die Relevanz von Einzelversicherungen gegenüber Gruppenversicherungen nimmt zu.

Am 1. September 2020 veröffentlichte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ihre zweite Marktuntersuchung hinsichtlich der Restschuldversicherungen im deutschen Versicherungsmarkt. Die Untersuchungsdaten wurden 2019 erhoben. Gleichzeitig beauftragte die BaFin auch eine Verbraucheruntersuchung hinsichtlich der Restschuldversicherung. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der ersten Untersuchung in 2017 ist das Ziel die Entwicklung im Markt zu bewerten und offene Fragestellungen zu beantworten.

Restschuldversicherungen gelten als eine besondere Form der Risikoversicherung. Es wird das Risiko der Rückzahlung von Krediten im Falle des Todes, Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit des Versicherungsnehmers abgesichert. Sie existieren als Einzelversicherungen oder als Gruppenversicherung (Kollektivversicherung). In diesem Fall fungiert die Bank als Versicherungsnehmer.

Die Erhebung wurde mittels einer Befragung von Versicherern und Kreditinstituten durchgeführt. Insgesamt wurden die Antworten von 27 Versicherern und 30 Kreditinstituten ausgewertet. Diese decken sich größtenteils mit den Teilnehmern der Marktuntersuchung aus 2017. Der Ausgangspunkt für die Untersuchungen war vor allem die Änderungen im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) im Jahr 2018. Hier wurde § 7d hinzugefügt, der die Beratung, Information und Widerruf bei speziellen Gruppenversicherungen geregelt.

Die Untersuchungen ergab folgende wesentliche Ergebnisse:

  • Die Relevanz von Einzelversicherungen gegenüber Gruppenversicherungen nimmt zu.
  • Der am häufigsten genutzte Vertriebsweg von Restschuldversicherungen ist der über Kreditinstitute. Hier werden jedoch von der BaFin die häufig sehr hohen Provisionszahlungen bemängelt.
  • Die Gesetzesänderungen aus § 7d VVG wurden weitestgehend umgesetzt. Allerdings weist die Umsetzung Mängel hinsichtlich der Verbraucherfreundlichkeit auf. Dies betrifft vor allem die Widerrufsbelehrung und den Hinweis auf die Freiwilligkeit einer Restschuldversicherung.
  • Es existieren teilweise sehr hohe Antragsablehnungsquoten. Die höchsten Ablehnungsquoten sind beim Risiko Arbeitslosigkeit zu finden.
  • Keine Veränderungen gab es hinsichtlich der Höhe der Provisionszahlungen und der Höhe der zu zahlenden Prämien.

Zu weiteren PwC Blogs

Zum Anfang