EIOPA-Konsultation zu Art. 8 Taxonomie-VO (Transparenz bei nichtfinanzieller Berichterstattung)

Die von EIOPA veröffentlichte Konsultation bezieht sich auf die relevanten Kennzahlen (KPIs), die Versicherer und Rückversicherer im Rahmen der Erweiterung der nicht-finanziellen Erklärung veröffentlichen müssen.

Am 30. November 2020 hat EIOPA ein Konsultationspapier zur Umsetzung von Artikel 8 der Taxonomie-VO veröffentlicht. Stellungnahmen können bis zum 12. Januar 2021 eingereicht werden.

Unternehmen, die zur Erstellung einer nicht-finanziellen Erklärung verpflichtet sind, müssen diese um die Anforderungen aus Art. 8 Taxonomie-VO erweitern. Die von EIOPA veröffentlichte Konsultation bezieht sich auf die relevanten Kennzahlen (KPIs), die Versicherer und Rückversicherer im Rahmen der Erweiterung der nicht-finanziellen Erklärung veröffentlichen müssen.

Zur Diskussion steht die Angabe der folgenden Kennzahlen:

Für den Ausweis bezogen auf die Vermögenswerte:

In der Taxonomie-VO wird gefordert, dass ein Unternehmen den Anteil der Investitionsausgaben bzw. der Betriebsausgaben im Zusammenhang mit nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten ausweist. EIOPA wurde aufgefordert, darzustellen, wie Versicherer diese Anforderungen umsetzen können. Aus EIOPA-Sicht wäre der Ausweis folgender KPIs möglich:

  • Anteil der Vermögenswerte, die auf die Finanzierung von wirtschaftlichen Aktivitäten ausgerichtet bzw. mit diesen verbunden sind und als ökologisch nachhaltig gelten, im Verhältnis zu den Gesamtvermögenswerten

oder

  • Anteil der Investments, die auf wirtschaftliche Aktivitäten ausgerichtet bzw. mit diesen verbunden sind und als ökologisch nachhaltig gelten, im Verhältnis zu den Gesamtinvestments

Für den Ausweis bezogen auf die Versicherungstätigkeit bei Nicht-Lebensversicheren sowie Rückversicheren:

Zudem muss gem. Taxonomie-VO der Anteil der Umsatzerlöse, der mit Produkten oder Dienstleistungen erzielt wird, die mit nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind, ausgewiesen werden. Dies soll bei Nicht-Lebensversicherern sowie Rückversicherern wie folgt dargestellt werden:

  • Anteil der gebuchten Bruttoprämien / Einnahmen aus Versicherungsverträgen oder der gesamten Versicherungseinnahmen, welche ökologisch nachhaltigen Versicherungsaktivitäten nach der EU-Taxonomie zugeordnet werden können.

Die Angabe ist lediglich von Nicht-Lebensversichern und Rückversicherern darzustellen. Hintergrund ist, dass die technischen Screening-Kriterien in Anhang II des delegierten Rechtsakts nur die Wirtschaftsaktivitäten “Nicht-Lebensversicherung” sowie “Rückversicherung” mit einem positiven Beitrag zu Umweltziel 2 “Anpassung an den Klimawandel” berücksichtigt (siehe Blog-Beitrag vom 23. November 2020).

Neben den Fragen zu den anzugebenden KPIs werden noch weitere Themenbereiche konsultiert. Besonders interessant ist die Sicht von EIOPA zum Anwendungszeitpunkt. EIOPA soll in ihrem finalen Advice Stellung dazu nehmen, ob über die KPIs rückwirkend für alle bestehenden Aktivitäten, in den nicht-finanziellen Erklärungen, die in 2022 veröffentlicht werden, berichtet werden soll, oder nur über diejenigen Aktivitäten, die für den Zeitraum ab Anwendungsbeginn der Offenlegungsregeln relevant sind. Gemäß des Call for Advices bezieht sich die Offenlegungspflicht dabei jeweils auf das vorangegange Jahr (Offenlegungspflicht in 2022 umfasst die Informationen des Jahres 2021). Nach Ansicht von EIOPA ist eine rückwirkende Offenlegung mangels Daten nur schwer möglich, sodass EIOPA eine rückwirkende Anwendung auf freiwilliger Basis vorschlägt und dies zur Konsultation stellt. In ihrer Begründung unterscheidet EIOPA nicht zwischen bestehenden Aktivitäten und Aktivitäten ab dem Anwendungszeitpunkt.

Im Anschluss an die öffentliche Konsultation wird EIOPA ihre Beratung abschließen und der Europäischen Kommission im Februar 2021 ihren finalen Bericht vorlegen.

Hintergrund:

Die Taxonomie-Verordnung wurde im Juni 2020 durch das EU-Parlament verabschiedet. Die Verordnung dient der Erreichung der übergeordneten Umweltziele damit die EU bis 2050 klimaneutral werden kann. Die Pflicht zur finanziellen und nichtfinanziellen Berichterstattung ist zunächst ab dem 1. Januar 2022 für die ersten beiden Ziele (Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel) umzusetzen. Für die anderen vier Umweltziele (Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung, Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme) ist sie erst ab dem 1. Januar 2023 verpflichtend. Derzeit sind noch verschiedene Konkretisierungen der Taxonomie-Verordnung durch die Europäische Kommission ausstehend.

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