Transformation vorantreiben: Was Finanzinstitute von ihren Kunden brauchen
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Als Teil unserer Interview-Blogreihe „Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation“ habe ich Matthias Hübner, Geschäftsführer des Sustainable Finance Cluster interviewt.
Letzte Woche ist unser Whitepaper „Innovation und Resilienz: Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation“ erschienen. Im Rahmen der Erstellung haben wir zahlreiche Expert:inneninterviews geführt, um unterschiedliche Perspektiven aus der Branche einzufangen. Diese wertvollen Einblicke möchten wir in einer begleitenden Interview-Blogreihe teilen und damit einen tieferen Blick hinter die Rolle von Finanzunternehmen als Kapitalgeber, Investor, Risikomanager, Innovationstreiber und Berater ihrer Kunden bei der Transformation ermöglichen.
Im Interview betont Matthias Hübner dass die eigentliche Transformation in den Unternehmen stattfindet und dafür eine enge Verzahnung mit der Realwirtschaft notwendig ist, damit Kapital gezielt in zukunftsfähige Geschäftsmodelle fließt und der Finanzsektor seine Rolle als unterstützender Katalysator erfüllen kann.
Wo sehen Sie die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation?
Der Finanzsektor hat eine wichtige Aufgabe bei der nachhaltigen Transformation der Wirtschaft, vor allem über die Allokation von Kapital, seien es Kredite, Eigenkapitalinvestments oder andere Instrumente. Die tatsächliche Transformation findet aber vor allem in den Unternehmen statt, die ihre Geschäftsmodelle resilienter und zukunftsfähiger machen müssen. Daher bedarf es einer engen Verzahnung mit der Realwirtschaft, damit die Mittel tatsächlich in die „richtigen“ Firmen und Projekte gelenkt werden und der Finanzsektor seiner Rolle als Unterstützer und Katalysator gerecht werden kann.
Über welche Kanäle, Produkte und Dienstleistungen können Finanzunternehmen (Banken, Versicherer, Asset Manager) ihren Kunden und Geschäftspartnern ihre Risikoexpertise für die Nachhaltigkeitstransformation zur Verfügung stellen?
Finanzinstitute sollten sich als langfristiger Partner ihrer Kunden verstehen. Dann fokussieren sich die Gespräche nicht nur transaktional auf den nächsten Kredit oder die kommende Kapitalerhöhung. Vielmehr entwickeln sich Finanzinstitute zum kontinuierlichen Begleiter und Berater der Unternehmen. Risikoeinschätzungen sind ein offensichtliches Thema, weil sie die Kernkompetenz von Banken, Versicherern und Asset Managern ausmachen. Darüber hinaus können Institute auch anonymisierte Branchenauswertungen zur Verfügung stellen, um Stärken und Schwächen zu identifizieren und Handlungsbedarf abzuleiten (Stichwort ESG Advisory).
Welche Rollen spielen aus Ihrer Sicht transparente Transitionspläne von Finanz- und Industrieunternehmen für Planungssicherheit und erhöhte Wettbewerbsfähigkeit von Finanzinstituten?
Letztlich sind die Transitionspläne von Finanzinstituten immer nur so gut wie die (gewichteten) Pläne der Unternehmen in ihrem Portfolio. Für die effiziente Kapitalallokation macht es durchaus einen Unterschied, ob ein Firmenkunde nur das Ziel von Net Zero bis 2050 ausruft oder eine klare Strategie mit messbaren Zwischenzielen definiert hat und z.B. von einem möglichen starken Anstieg des CO2-Preises wenig betroffen wäre. Zudem haben solche Pläne einen Disziplinierungseffekt, weil sie Finanzinstitute wie auch Unternehmen dazu zwingen, sich detailliert mit ihrem eigenen Transformationspfad und den notwendigen Maßnahmen zu befassen.
Welche Chancen sehen Sie für den Finanzsektor bei innovativen, klimafreundlichen Produkten und Dienstleistungen?
Die große Chance für den Finanzsektor besteht darin, bei der nachhaltigen Transformation ein Teil der Lösung zu sein und somit neben den zweifellos vorhandenen individuellen geschäftlichen Opportunitäten auch seinen gesellschaftlichen Mehrwert nachzuweisen. Innovation ist grundsätzlich immer positiv, aber grosso modo stehen heute bereits die erforderlichen Produkte und Dienstleistungen bereit. Aus unserer Sicht braucht es für eine noch stärkere Verbreitung von Transformationsfinanzierung vor allem klare und verlässliche politische sowie regulatorische Rahmenbedingungen wie auch einen noch intensiveren Dialog zwischen Finanz- und Unternehmensseite.
Weiterführende Links:
- Hybride International Sustainable Finance Conference am 9.6. in Frankfurt
- Whitepaper: Innovation und Resilienz: Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation
- Blogbeitrag: Der Finanzsektor als Innovationsmotor, Risikopartner und Transitionstreiber
- Blogbeitrag: Innovation und Resilienz: Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation
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