Was bedeutet Sustainable Finance für kleine und mittelständische Finanzinstitute?

Die EFRAG entwickelt aktuell spezifische Berichtsstandards für KMUs, die den besonderen Bedingungen gerecht werden. Welche Handlungsempfehlungen gibt es für kleinere und mittlere Banken bei der Umsetzung der Sustainable Finance-Regulierung?

Die Bedeutung von Sustainable Finance für KMUs

Die Nachhaltigkeitsregulierung der EU ist überwiegend für große Unternehmen, die sich über den Kapitalmarkt finanzieren, konzipiert. Für die Umsetzung benötigen Finanzmarktakteure umfangreiche ESG-Daten ihrer Geschäftspartner und müssen ihre internen Reportingprozesse anpassen. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) sind oftmals mit den neuen Reportingvorgaben aus der EU-Taxonomie, der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) überfordert, weil sie nicht über dieselben Ressourcen verfügen wie große Unternehmen. 

Durch die Ausweitung des Anwendungsbereichs und Adressatenkreises der CSRD mit Ablösung der Non-Financial Reporting Directive (NFRD), sind weitaus mehr Unternehmen verpflichtet, Nachhaltigkeitsinformationen zu berichten. Waren es zuvor EU-weit noch 11 700 betroffene Unternehmen, sind es nun 49 000. Darunter fallen auch kapitalmarktorientierte KMU (Kleinstunternehmen ausgenommen). Diese müssen ab dem Jahr 2027 für das Geschäftsjahr 2026 ihre Informationen veröffentlichen. 

Spezifische CSRD-Berichtsstandards für KMUs

Um eine unangemessene Belastung der betroffenen KMU zu verhindern, gelten für KMUs vereinfachte Berichtsstandards. Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) arbeitet an Entwürfen für die Berichtsstandards für berichtspflichtige kapitalmarktorientierte KMU (ESRS LSME) sowie für freiwillig berichtende nicht-börsennotierte KMU (ESRS VSME), welche aktuell zur Konsultation stehen. Der ESRS LSME soll am 1. Januar 2026 mit einer zusätzlichen zweijährigen Ausnahmeregelung in Kraft treten. Der Zweck ist es, Meldepflichten festzulegen, die dem Umfang und der Komplexität der Aktivitäten sowie den Kapazitäten und Eigenschaften der LSMEs gerecht werden. Es wird erwartet, dass dies LSMEs dabei unterstützt, einen besseren Zugang zu Finanzmitteln zu erhalten, da es die Verfügbarkeit von standardisierten Nachhaltigkeitsinformationen ermöglicht. Er basiert auf den bisher veröffentlichten ESRS Set 1, ist aber deutlich vereinfacht. Außerdem hat EFRAG einen freiwilligen Standard zur Nachhaltigkeitsberichterstattung für nicht börsennotierte KMU (VSME) entwickelt. Das KMU-Entlastungspaket der Europäischen Kommission vom September 2023 bezieht sich auf VSME als eine Maßnahme zur Unterstützung von KMU beim Zugang zu nachhaltiger Finanzierung. Dieser Berichtstandard ist ein unabhängig entworfener Standard und basiert nicht auf den ESRS aus Set 1.

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Handlungsempfehlungen für KMUs

Eine neue Publikation des Bankenverbands bietet eine umfassende Übersicht über die Implikationen von Sustainable Finance für KMUs. Der Fokus liegt darauf, wie kleine und mittelständische Banken den Herausforderungen begegnen können, die mit der Implementierung der EU-Gesetzgebung einhergehen. Ziel ist es, den Institutionen eine klare Orientierung und konkrete Handlungsempfehlungen zu bieten. Bei der Lektüre wird deutlich, dass das Thema Sustainable Finance auch bei KMUs das gesamte Institut, inklusive der internen Prozesse, betrifft und eine Anpassung der Geschäfts- und Risikostrategie erfordert. Eine strategische Positionierung und Anpassung der Governance - bspw. direkte Berichtslinien der Verantwortlichen an den Vorstand oder die Integration von ESG-Kriterien in Vergütungspolicies- sollte allein aus Eigeninteresse frühestmöglich erfolgen. Welche Schritte hierfür notwendig sind, wird ausführlich erläutert. Des Weiteren wird auch auf den regulatorischen Rahmen und Themen wie die EU-Taxonomie für nachhaltige Investitionen, die CSRD, die SFDR, das ESG-Risikomanagement und entsprechende Sorgfaltspflichten eingegangen. Hierbei wird deutlich, dass die Umsetzung, angesichts der teils knappen Fristen, eine große Herausforderung darstellt. 

KMUs sind in der grünen Ausrichtung ihrer Finanzierungen eingeschränkt

Eine Studie der DIHK, Eurochambres und SMEunited bietet einen europäischen Überblick über den Zugang zu nachhaltigen Finanzierungen für KMUs. Sie beschäftigt sich mit den Fragestellungen, welche Instrumente KMUs verwenden, um grüne Investitionen zu finanzieren und welche Rolle die Sustainable Finance Regulierungen für KMUs spielen. Das Ergebnis der Umfrage zeigt, dass KMUs eindeutig eingeschränkt sind in der grünen Ausrichtung ihrer Finanzierungen. Der Informationsaustausch erfolgt bei KMUs meist nicht über Investoren, sondern über ihre eigenen Hausbanken, oftmals kleinere und mittelständische Banken. Die Kriterien der Taxonomieverordnung sind für KMUs zu umfangreich und komplex. ESG-linked loans sollten sich daher an dem von der EFRAG vorgeschlagenen freiwilligen KMU-Standard orientieren, um auch für KMU zugänglich zu sein.

Fazit

Die Umsetzung der neuen Vorgaben stellt für Unternehmen jeglicher Größe eine Herausforderung dar. Insbesondere für KMUs gestaltet sich die Einführung neuer Berichtspflichten als noch größere Hürde. Der Gesetzgeber trägt dem Rechnung, indem er für KMUs spezifische Berichtsstandards entwickelt und ihnen mehr Zeit einräumt. Die Komplexität sollte kleine und mittlere Banken jedoch nicht davon abhalten, zeitnah die Umsetzung der Sustainable Finance-Regulierung anzugehen, um sich zukunftsfähig und resilient aufzustellen und von den Chancen der nachhaltigen Transformation der Wirtschaft zu profitieren.

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