Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil: Von Compliance zum Werttreiber

Finanzinstitute stehen heute vor der Herausforderung, Nachhaltigkeit nicht nur als Pflicht, sondern als Hebel für unternehmerischen Erfolg zu begreifen.

Wer ESG-Themen frühzeitig strategisch verankert, kann Risiken besser steuern, neue Geschäftschancen erschließen und die eigene Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken. Effektive Governance-Strukturen, hochwertige Daten und effiziente Steuerungsprozesse werden so zum Schlüssel, um aus Nachhaltigkeit einen messbaren Wertbeitrag zu machen. Finanzinstitute, die diesen Wandel aktiv gestalten, profitieren von einer gestärkten Resilienz, einer verbesserten Marktposition und eröffnen sich neue Potenziale für Wachstum und Innovation.

Angesichts steigender Klima- und Umweltrisiken, die mit massiven ökonomischen Folgekosten durch beispielsweise Dürren einhergehen, ist für Finanzinstitute eine klare Nachhaltigkeitsstrategie entscheidend, um Resilienz für ihr eigenes Unternehmen und ihre Geschäftspartner zu schaffen. Zudem bietet die klimafreundliche Transformation der Wirtschaft auch Chancen, die es zu identifizieren und nutzen gilt. Die durch Omnibus erfolgte Reduzierung der Reportingpflichten eröffnet Finanzinstituten neue Spielräume, eigene Nachhaltigkeitsprioritäten zu setzen. 

Nachhaltigkeit als strategischer Werttreiber

Nachhaltigkeit ist längst kein reines Compliance-Thema mehr, sondern entwickelt sich zu einem strategischen Werttreiber. Wer Nachhaltigkeit ganzheitlich in die Unternehmenssteuerung integriert, schafft nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern nutzt ESG auch gezielt zur Stärkung von Profitabilität und Resilienz. Bei dem Wandel von einer fragmentierten, reaktiven Berichterstattung hin zu einer proaktiven ESG-Strategie ist eine robuste Sustainability-Governance ein zentraler Erfolgsfaktor:  

Eine transparente Sustainability Governance schafft klare Verantwortlichkeiten und Steuerungsprozesse. Dadurch werden Doppelarbeiten vermieden und ESG-Aspekte systematisch in alle Unternehmensbereiche integriert. Gleichzeitig wird eine glaubwürdige Unternehmenskultur gefördert und die Attraktivität für Investoren erhöht sich durch positive Auswirkungen auf ESG-Ratings. Eine frühzeitige Risikoerkennung und -steuerung unterstützt Finanzinstitute dabei, Schäden zu vermeiden und die Compliance sicherzustellen. Zudem bildet eine hohe Datentransparenz und -qualität das Fundament für konsistente und zuverlässige Nachhaltigkeitsdaten sowie verbesserte Kontrollprozesse. Finanzinstitute profitieren von Wettbewerbsvorteilen und einer gestärkten Marktposition.  

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Mehr Struktur und weniger Aufwand mithilfe des PwC Sustainability-Governance-Framework

Das Fundament für diesen Wandel ist eine solide Sustainability-Governance, die klare Verantwortlichkeiten und definierte Prozesse schafft. Das PwC Framework beschreibt Governance bildlich als ein Haus: Die Unternehmensführung mit Vision und Strategie bildet das Dach und gibt die Richtung vor. Leitprinzipien und Selbstverpflichtungen sorgen für klare Werte, während die ESG-Regulatorik den gesetzlichen Rahmen absteckt. Dieses Haus wird von fünf zentralen Elementen der Governance getragen: Organisation und Verantwortlichkeiten, Produkte und Dienstleistungen, Policies und Prozesse, Technologie und Daten sowie Überwachung und Kontrolle. Ergänzt wird das Framework durch eine transparente interne und externe Kommunikation in Verbindung mit einem entsprechenden Reporting. So wird Nachhaltigkeit systematisch in alle Unternehmensbereiche eingebunden und es entsteht eine stabile Basis, auf der Nachhaltigkeitsstrategien wirkungsvoll und effizient umgesetzt werden können. 

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Nachhaltigkeit ganzheitlich denken: Drei Perspektiven für nachhaltigen Unternehmenserfolg 

Für Finanzinstitute ist eine ganzheitliche Betrachtung von Nachhaltigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln entscheidend, um ESG-Potenziale umfassend zu nutzen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Perspektiven: 

  • Risikomanagement und Compliance mit regulatorischen Anforderungen: Finanzinstitute müssen vielfältige, regulatorische Anforderungen aus der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), der Capital Requirements Regulation (CRR) und den EBA (European Banking Authority)-Guidelines zum ESG-Risikomanagement umsetzen. Im Risikomanagement rücken Themen wie die Reduzierung von physischen Klimarisiken und Transitionsrisiken stärker in den Fokus. 
  • Effizienz: Effizienzgewinne u.a. durch die Vereinheitlichung von Prozessen und die verbesserte Steuerung durch die Verknüpfung von Nachhaltigkeit mit dem Finanzcontrolling
  • Ertragsgenerierung: Nachhaltigkeit wird gezielt in die Kundeninteraktion eingebunden, um neue Umsatzpotenziale zu erschließen. Dazu zählt die Entwicklung innovativer Produkte und Services

Risikomanagement und Regulatorik: Synergien durch integrierte ESG-Analysen 

Für die Entwicklung von Geschäfts- und Risikostrategien sowie für das externe Reporting sind verschiedene ESG-Analyseinstrumente wie beispielsweise Risiko-, CSRD-Wesentlichkeits- und Geschäftsumfeldanalysen von essenzieller Bedeutung. In der Praxis werden diese Instrumente oft getrennt voneinander genutzt, mit teilweise überlappenden Fragestellungen. Ein integrierter Ansatz mit zeitlich aufeinander abgestimmten Analysen könnte beispielsweise die quantitativen Risikoanalysen als Ausgangspunkt nutzen. Die hierin erkannten Risiken werden durch eine Markt-/Geschäftsumfeldanalyse angereichert und ergänzt. Das Thema Chancen kann dann im Zusammenspiel zwischen Geschäftsumfeldanalyse und Wesentlichkeitsanalyse gesamthaft betrachtet werden. Die Integration dieser Analysen in fachübergreifender Zusammenarbeit sorgt dabei für ein tieferes Verständnis. Hierdurch lassen sich zusätzlich Aufwände reduzieren und die Konsistenz der Ergebnisse sicherstellen.  

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Neues Tool Transformation View: ESG-Daten als Grundlage für Steuerung und Reporting 

ESG-Daten sind ein zentrales Instrument für Risiko-, Steuerungs- und Reportingsprozesse sowie für die Erreichung von Net-Zero-Zielen. Sie umfassen unter anderem Scope-1-, -2- und -3-Emissionen, physische Klimarisiken sowie Energieeffizienzdaten. Für Finanzinstitute ist es entscheidend, diese Daten vollständig, konsistent und in hoher Qualität zu erfassen und verfügbar zu machen. Denn diese dienen als Grundlage für Nachhaltigkeitsberichte mitsamt Transitionsplänen, für die Offenlegung nach CRR sowie für die Integration in das Risikomanagement beispielsweise für ICAAP. Die Verzahnung von ESG-Analysen und die Mehrfachnutzung der Ergebnisse funktionieren nur mit einem entscheidenden Enabler: Technologie.  

Finanzinstitute sind im Rahmen des Client Engagement zunehmend gefordert die Dekarbonisierungsstrategien ihrer Portfoliounternehmen angemessen zu berücksichtigen. Jedoch ist die Analyse von ESG-Berichten und Transitionsplänen zeitaufwendig und basiert häufig auf manuellen, fragmentierten ESG-Analyseprozessen. Außerdem herrscht oftmals nur eine begrenzte Vergleichbarkeit der Kunden, Unternehmen und Peers. PwC hat mit dem Tool Transformation View eine Lösung entwickelt, um AI-gestützt ESG-Berichte und Transitionspläne strukturiert auszulesen und auszuwerten. Das Tool ermöglicht die automatisierte Erstellung von Kunden- und Peer-Vergleiche, umfassende Analysen auf Portfolio-, Sektor- und Unternehmensebene in übersichtlichen Dashboards und unterstützt die Simulation von sektoralen Dekarbonisierungspfaden. Durch strukturierte Unternehmens- und Sektorprofile für klimaintensive Branchen erhöht Transition View die Effizienz im Client Engagement und schafft eine fundierte Basis für strategische Entscheidungen. Somit schafft das Zusammenspiel aus Datenerfassung, Qualitätsmanagement und Integration in verschiedene Steuerungsprozesse Effizienzvorteile und fördert die Compliance. 

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Integration von Nachhaltigkeit ins Finanzcontrolling

Ein zentraler Hebel zur Steigerung der Effizienz liegt in der Verknüpfung von Nachhaltigkeit und dem Finanzcontrolling. Durch die Einbindung von ESG-Kennzahlen ins Kerngeschäft werden diese messbar, planbar und steuerbar. Die Integration von Nachhaltigkeit ins Finanzcontrolling umfasst die Festlegung konkreter ESG-Ziele für einzelne Geschäftseinheiten, die Berücksichtigung von ESG-Kosten bei Prognosen und Budgetierungen sowie die gezielte Verwendung von Budgets für nachhaltige Initiativen - etwa in der Produktentwicklung. Damit die festgelegten ESG-Ziele einen positiven Einfluss auf die Profitabilität ausüben können, müssen die Nachhaltigkeitskriterien, Kosten und Effekte in Beziehung gesetzt werden. Die Berücksichtigung von ESG-Kosten bei Prognosen und Budgetierungen, die Erstellung expliziter Prognosen zu ESG-Kennzahlen und die Verknüpfung dieser Kennzahlen mit den Leistungszielen der Mitarbeiter schaffen die erforderliche Transparenz und ermöglichen eine realistische Einschätzung der Kosten und des Nutzens von ESG.  

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Steuerung von Nachhaltigkeit und Profitabilität mithilfe von Portfolio Views und Drill-Downs 

Um Nachhaltigkeit effizient steuern zu können, sind Finanzinstitute aufgefordert, einen durchgängigen ESG-End-to-End-Prozess zu implementieren. Dieser beginnt bei der strukturierten Erhebung relevanter ESG-Daten und integriert sie entlang klar definierter Rollen, Schnittstellen und Entscheidungswegen in die klassischen Kundendaten und weitere Datenquellen wie Marktdaten. Durch die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung von ESG-Daten wird eine Grundlage für ein effizientes, prüfbares und steuerungsrelevantes ESG-Reporting geschaffen. Im Anschluss steht bei der Aggregation die Harmonisierung, Anreicherung sowie die Berechnung und Allokation von ESG in Verbindung mit klassischen Kundendaten im Fokus. Mithilfe von Portfolio-Views und gezielten Drill-downs lassen sich Umwelt-, Sozial- und Transformationsaspekte sowie einzelne Geschäftseinheiten differenziert betrachten. Im Financial & Sustainability Controlling werden ESG-Metriken in Planung, Forecast und Budgeting integriert. Darauf aufbauend folgt die interne Reporting-Ebene mit Berichten von Standard- über Ad-hoc- bis hin zu Segmentreportings, die schließlich die Grundlage für fundierte Managemententscheidungen liefern. 

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ESG als Chance für neue Ertragsquellen – PwC Tool ESG Navigator 

In den vergangenen Jahren standen bei vielen Finanzinstituten die Themen ESG-Regulatorik und externes Reporting im Mittelpunkt. Mit dem sich wandelnden regulatorischen Druck verschiebt sich der Fokus auf ESG als Ertragsbringer, im Hinblick auf Produkte und Serviceleistungen. Wer diesen Wandel frühzeitig gestaltet, kann Nachhaltigkeit nicht nur als Kostenfaktor, sondern als echten Wachstumstreiber im Markt positionieren. 

PwC-seitig haben wir hierfür ein Tool zur Beratungsunterstützung entwickelt. Im Kontext des Immobiliensektors unterstützt das Tool den Kundenberater dabei, dem Gewerbe- oder Firmenkunden den Mehrwert von Sanierungsmaßnahmen aus Klima und Natur-Sicht aufzuzeigen. Anhand von drei Szenarien bekommt der Kunde einen Überblick, was mögliche Maßnahmen an seiner Immobilie sein können. Im nächsten Schritt werden die Kosten für die Maßnahmen sowie die möglichen Vorteile quantifiziert. Abgerundet wird die Betrachtung von einer detaillierten Business Case Sicht, die auch die Entwicklung im Zeitverlauf darstellt. 

Aus Kundensicht können die Maßnahmen zusätzlich die Nutzungsdauer der Immobilie verlängern und zu niedrigeren Betriebskosten führen. Auch steuerliche Effekte sind positiv hervorzuheben. Aus Banksicht kann dieses aus den folgenden Gründen attraktiv sein: die aufgezeigten Maßnahmen können zu zusätzlichem Finanzierungsbedarf führen. Gleichzeitig führt ein steigender Wert der Sicherheit zu einem sinkenden Risiko und einem verbesserten Beleihungsauslauf. Zudem werden Klima- und Naturbeiträge sichtbar, messbar und steuerbar gemacht. Letztlich stärkt der aus den Maßnahmen resultierende positive Einfluss auf die eigenen Klima- und Naturziele die Nachhaltigkeitsstrategie und Reputation der Bank. 

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Fazit 

Nachhaltigkeit ist längst mehr als eine regulatorische Pflicht und hat sich zu einem strategischen Werttreiber für Finanzinstitute entwickelt. Institute, die ESG-Aspekte ganzheitlich integrieren, sichern sich nicht nur die Einhaltung von Vorschriften, sondern stärken ihre Resilienz und erschließen neue Ertragsquellen. Eine robuste Governance-Struktur mit klaren Verantwortlichkeiten und effizienten Prozessen bildet dafür das Fundament. Dies führt nicht nur zu einer glaubwürdigen Unternehmenskultur, sondern auch zu einer gesteigerten Attraktivität für Investoren.  

Eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsperspektive auf das Risikomanagement, die Regulatorik, die Effizienz und die Ertragsgenerierung kann Finanzinstituten einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und ihren strategischen Mehrwert steigern. Aus Sicht des Risikomanagements und der Regulatorik ist dazu eine stärkere Verknüpfung von Strategie-, Risiko- und Wesentlichkeitsanalysen im Sinne integrierter ESG-Analysen erforderlich, um die Entscheidungsqualität zu erhöhen. Daneben schafft eine belastbare ESG-Datenbasis Transparenz und bildet die Grundlage für Risiko- und Steuerungsprozesse. Um die Komplexität und den zeitlichen Aufwand für die Analyse von ESG-Berichten zu bewältigen, hat PwC das Tool Transition View entwickelt. Die Verknüpfung von Nachhaltigkeit und dem Finanzcontrolling macht unter Effizienz-Gesichtspunkten ESG-Ziele messbar und steuerbar. Praxisbeispiele, wie der Kreditprozess im Rahmen einer Immobiliensanierung zeigen, wie Klima- und Naturmaßnahmen zusätzliche Erträge generieren können und Risiken senken können.  

Wer ESG als strategisches Instrument versteht, kann Kundenbeziehungen vertiefen, Profitabilität steigern und sich einen klaren Wettbewerbsvorteil sichern. 

Weiterführende Links:  

Laufende Updates zum Thema erhalten Sie über das regulatorische Horizon Scanning in unserer Recherche-Applikation PwC Plus. Lesen Sie hier mehr über die Möglichkeiten und Angebote.

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