Die regulatorische Agenda für Vorstand und Aufsichtsrat 2026
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Beitrag in der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen (ZfgK 4/2026) von Martin Neisen, Peter Büttel, Wiebke Sawahn
Der Blick auf die Agenda für 2026 zeigt, dass die „ganz großen Werke“ derzeit nicht anstehen. Die meisten großen regulatorischen Reformen müssten eigentlich bereits umgesetzt sein, wenngleich die Praxis noch Lücken betreffend die Erwartungshaltungen aufzeigt. Es geht aktuell also weniger um die Implementierung neuer Anforderungen, sondern viel mehr um die intelligente Anpassung und Anwendung mittlerweile bekannter Regularien zur Identifikation, Bewertung und Steuerung der zunehmend komplexen Risiken. Dies fällt in der aktuellen geopolitischen Spannungslage schwer, da sich bekannte Weltordnungen verschieben und die Volatilität und Schwere, insbesondere geopolitischer Handlungen, die Konsequenzen von Krisen für das individuelle Geschäftsmodell nicht immer unmittelbar ersichtlich scheinen lassen.
Entsprechend reagiert auch die Aufsicht mit Plänen für ein noch stärker risikobasiertes Vorgehen. Hinzu kommt, dass Gesetze, Verordnungen, begleitende Standards, Empfehlungen und Leitlinien den Instituten im Grundsatz durchaus bekannt sind. Gleichwohl bemängelt die Aufsicht fehlende Methodik, Datenqualität und Governance. Die immer mehr in den Fokus rückende Risikokultur geht über ein bloßes Firmenhandbuch hinaus – hier geht es um das gelebte Verhalten, und zwar auf allen Ebenen. Institute werden sicherstellen müssen, dass die Aufgaben und Verantwortlichkeiten transparent werden. Dies gilt insbesondere auch für den Einsatz und die Auswirkungen von KI, wo die Chancen einerseits und die Risiken andererseits in einen angemessenen Einklang zu bringen sind.
Neben der genannten erforderlichen Anpassung und Neuausrichtungen warten mit FiDA und IReF technische Großprojekte, die den Wettbewerb fördern, Transparenz steigern und die Datenqualität sowie -verfügbarkeiten verbessern sollen, um unter den aktuellen und neuen Umfeldbedingungen besser aufgestellt zu sein. Die angekündigten Erleichterungen insbesondere im Bereich der Säule-I-Anforderungen für sogenannte SNCI sind der richtige Ansatz, gleichzeitig aber auch eine logische Konsequenz aus der erforderlichen stärkeren Risikoorientierung der Normengeber und Aufsichtsbehörden.
Um die aktuellen und zukünftigen Risiken zu beherrschen, ist Know-how und Erfahrung in den maßgeblichen Themengebieten und auf allen Ebenen der Organisation – vom Aufsichtsorgan, über die Geschäftsleitung bis zu den Mitarbeitenden – erforderlich; Anforderungsprofile, die heute teilweise schwer zu erfüllen sind.
Viel Spaß beim Lesen!
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Fritz Knapp Verlag GmbH, Frankfurt am Main.
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