SRB stellt neue Guidance zu Liquidität und Refinanzierung zur Konsultation
- 4 Minuten Lesezeit
Konsultationsfassung vom Mai 2026
Ausgangslage
Instituten wird zunehmend abverlangt, Fähigkeiten aufzubauen, um in einer Abwicklung
- ihren Liquiditäts- und Refinanzierungsbedarf zu schätzen,
- ihre Liquiditätssituation zu analysieren und zu berichten sowie
- Sicherheiten zu identifizieren und zu mobilisieren.
Diese Erwartungen hat das Single Resolution Board (SRB) bislang in drei Operational Guidances konkretisiert. Sie spiegeln die folgenden Prinzipien der „Expectations for Banks“ (EfB) wider:1
- EfB 3.1 „Estimation of liquidity and funding needs in resolution“ (April 2021),
- EfB 3.2 „Measurement and reporting of the liquidity situation in resolution“ (Juni 2023) und
- EfB 3.3 „Identification and mobilisation of collateral in resolution“ (März 2022)
Neu: Konsolidierung und weitere Detaillierung der Anforderungen
Mit der Konsultationsfassung vom Mai 2026 fasst der SRB die bislang drei thematisch getrennten Operational Guidances in einem konsolidierten Dokument zusammen und schärft seine Erwartungen an mehreren Stellen. Zusätzlich wurden in einem Annex neue Templates ergänzt, die den Instituten als praktische Orientierung bei der Umsetzung dienen.
Der vorliegende Beitrag beleuchtet ausgewählte materielle Änderungen und Präzisierungen gegenüber den Vorgängerdokumenten entlang der drei genannten EfB-Prinzipien. Die meisten Konkretisierungen betreffen Prinzip 3.1 – hier sind folglich die deutlichsten Auswirkungen auf die Schätzung des Liquiditäts- und Refinanzierungsbedarfs zu erwarten.
EfB Prinzip 3.1 – Schätzung des Liquiditäts- und Refinanzierungsbedarfs
KLE-Identifikation – Der Kreis der Key Liquidity Entities (KLEs) wird erweitert. Neu einzubeziehen sind insbesondere Material Legal Entities (MLEs), (Online-)Einlagenplattformen sowie Mortgage Credit Institutions im Sinne von Art. 12b SRMR. Hinzu kommt eine vierte Bedingung für die KLE-Qualifikation: Einheiten, die aufgrund vertraglicher Vereinbarungen finanzielle Unterstützung für notleidende Gruppenmitglieder leisten können.
Zudem wird die proportionale Umsetzung der Erwartungen präzisiert, u. a. durch mehr Flexibilität für Institute mit einer Multiple-Point-of-Entry-Strategie. Der SRB stellt in Annex II ein standardisiertes Template für die KLE-Identifikation bereit.
KLD-Analyse – Die Identifikation der Key Liquidity Drivers (KLDs) soll künftig nicht mehr losgelöst von den Liquiditätsszenarien erfolgen, sondern konsistent mit den Szenarioannahmen zur Schätzung des Liquiditäts- und Refinanzierungsbedarfs. Auch hierfür stellt der SRB in Annex II ein standardisiertes Template bereit.
Methodik und Szenarien – Die Schätzung des Liquiditäts- und Refinanzierungsbedarfs muss künftig neben der „Preferred Resolution Strategy“ auch die „Variant Resolution Strategy“ abdecken. Die Anforderungen an Szenarien werden in mehreren Punkten geschärft:
- Das Fast-Moving-Szenario wird von drei Monaten auf einen Monat nach Krisenbeginn verkürzt.
- Systemische Ereignisse dürfen nun ausdrücklich als Krisen-Trigger genutzt werden.
- Über die bereits zuvor beispielhaft adressierte LCR hinaus sollen bei der Ergebnisaufstellung weitere regulatorische und interne Liquiditätskennzahlen berücksichtigt werden, z. B. NSFR, Net Liquidity Position, Survival Period und Asset Encumbrance Ratio.
Die Ergebnisse sollen zudem in die Liquiditätsstrategie in der Abwicklung und – soweit relevant – in den Refinanzierungsplan einfließen.
EfB Prinzip 3.2 – Analyse und Übermittlung der Liquiditätssituation
Reporting – Im Bereich Reporting und Governance führt die neue Guidance die bestehenden Anforderungen fort, präzisiert sie aber insbesondere mit Blick auf eine proportionale Orientierung an BCBS 239 unter Berücksichtigung der Abwicklungsspezifika.
Deutlicher hervorgehoben wird
- die Erwartung, dass gemeldete Daten mit anderen relevanten Deliverables konsistent sein müssen, und
- der Umgang mit Proxies bei Hindernissen in der Datenbereitstellung.
Zudem wird klargestellt, dass relevante Analysen und Deliverables bei wesentlichen Änderungen des Resolution Plans oder der rechtlichen, organisatorischen oder finanziellen Struktur des Instituts zu aktualisieren sind.
EfB Prinzip 3.3 – Identifizierung und Mobilisierung von Sicherheiten
Im Bereich der Sicherheiten wird mit Annex III ein Template zur erwarteten „Time to mobilise collateral“ bereitgestellt. Gleichzeitig steigt der Detaillierungsgrad der Sicherheiteninformationen – insbesondere durch stärkere Anforderungen auf Instrumentenebene.
Darüber hinaus konkretisiert die Guidance die Erwartungen zur Maximierung externer Refinanzierung in der Abwicklung, etwa im Hinblick auf
- self-retained unsecured issuance,
- die Anpassung bestehender Programme sowie
- die grenzüberschreitende Mobilisierbarkeit von Sicherheiten.
Fazit / Unterstützungsangebot
Mit der Konsultationsfassung zu Liquidität und Refinanzierung schärft der SRB seine Erwartungen in einem Themenfeld, das für eine erfolgreiche Abwicklung als kritische und testbare Fähigkeit zu verstehen ist. Sofern die Guidance nach Abschluss der Konsultation ohne grundlegende Änderungen finalisiert wird, ist für Institute insbesondere mit Anpassungsbedarf bei
- der Identifikation von KLEs und KLDs,
- der Szenariokonzeption sowie
- der Daten- und Reportingarchitektur einschließlich Sicherheiten-Reporting
zu rechnen. Vor diesem Hintergrund lohnt sich eine frühzeitige Einordnung der Auswirkungen auf bestehende Prozesse, Methoden und Deliverables.
Haben Sie weitere Fragen oder sehen Sie Diskussionsbedarf? Sprechen Sie uns gerne an!
1 Vgl. auch hierzu den PwC Blog vom 17. April 2025 zur dritten Dimension der MaAbwicklungsfähigkeit: Liquidität und Refinanzierung
|
Laufende Updates zum Thema erhalten Sie über das regulatorische Horizon Scanning in unserer Recherche-Applikation PwC Plus. Lesen Sie hier mehr über die Möglichkeiten und Angebote. |
|---|