Neue Maßstäbe für Netto-Null: Net-Zero Asset Owner Alliance (NZAOA) veröffentlicht fünfte Edition des Target-Setting-Protokolls
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Mit der fünften Edition des Targets –Setting-Protokolls (TSP) (veröffentlicht am 6. März 2026) der Net Zero Asset Owner Alliance (NZAOA) rückt das Ziel der Transitionsfinanzierung stärker in den Fokus und der Zielekanon wird entsprechend erweitert.
Der aktuelle Zielekanon des TSP wird um Transitionsziele, so genannte “Transition Targets”, erweitert mit dem Ziel, die Finanzierung von Unternehmen und/oder Aktivitäten in emissionsintensiven Sektoren, die über einen glaubwürdigen Transitionsplan verfügen, zu stärken. Um die Glaubwürdigkeit der Transitionspläne für Zwecke des Transition-Targets zu beurteilen, werden Prinzipien definiert an denen sich Finanzinstitute bei der Festlegung so genannter „Transition Assets“ orientieren können. Damit rückt die NZAOA das Engagement und die Unterstützung von CO2-intensiven Unternehmen bei der Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft noch stärker in den Fokus von Dekarbonisierungsstrategien und -zielsetzungen.
Zielekanon wird um Transition Targets erweitert
Eine der wichtigsten konzeptionellen Neuerungen der fünften Edition des TSP ist die explizite Unterscheidung zwischen Sektor-Targets und Transition-Targets. Wie in der vierten Edition sollen mindestens Ziele für drei der vier Zielkategorien festgelegt werden, wobei stets Engagement Targets beinhaltet, sein und Informationen über Investitionen in Klimalösungen berichtet werden müssen. Die Kategorie der Sektor-Targets wurde in der fünften Version des TSP um die Möglichkeit der Festsetzung von Transition-Targets erweitert.
Die Transition Targets sollen die Finanzierung von Unternehmen und/oder Aktivitäten in emissionsintensiven Sektoren, die über einen glaubwürdigen Transitionsplan verfügen, stärken. In der vierten Edition wurden so genannte Sektor-Targets häufig als indirekter Indikator der Transformation herangezogen, obwohl sie in erster Linie die sektorale Emissionsausrichtung des Teilportfolios und nicht die Glaubwürdigkeit der Transformation einzelner Emittenten abbilden.
In Anlehnung an United Nations Environment Programme (2026): UN-convened Net-Zero Asset Owner Alliance: target-Setting-Protocol – Fifth Edition, S. 11, https://www.unepfi.org/industries/nzaoa-target-setting-protocol-fifth-edition/
In Anlehnung an United Nations Environment Programme (2024): UN-convened Net-Zero Asset Owner Alliance: Target-Setting Protocol – Fourth edition, S. 11, https://www.unepfi.org/industries/target-setting-protocol-fourth-edition/
Die Transition Targets sollen mindestens börsennotierte Aktien und Unternehmensanleihen und die fünf emissionsintensivsten Sektoren umfassen. Es müssen mindestens 80% der relevanten Portfolioemissionen vom Ziel abgedeckt sein. Zur Festlegung der Zielsetzung und zur Messung des Fortschritts werden verschiedene Metriken basierend auf den zugrunde liegenden Emissionen, dem Marktwert der Investments oder auch den Investitionen (CapEx) vorgeschlagen.
Prinzipien zur Beurteilung des Transitionsplans
Um die Glaubwürdigkeit der Transitionspläne für Zwecke des Transition-Targets zu beurteilen, werden Prinzipien definiert, an denen sich Finanzinstitute bei der Festlegung von „Transition Assets“ orientieren können.
- Strategie und Commitment: Der Transitionsplan sollte im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen oder mit den nationalen Klimazielen (Nationally Determined Contributions, NDC) sein und in die Unternehmensstrategie und Entscheidungsprozesse integriert sein. Er soll auf glaubwürdigen, zeitgebundenen, wissenschaftsbasierten Zielen beruhen.
- Governance und Risikomanagement: Die Commitments und Ziele sollen in interne Richtlinien aufgenommen und in der Vergütung berücksichtigt werden sowie vom Vorstand gebilligt sein und auf einem soliden Risikomanagement-Rahmenwerk basieren.
- Maßnahmen und Abhängigkeiten: Der Transitionsplan sollte einen Aktionsplan mit quantifizierten Maßnahmen und geplanten Investitionen (CapEx) sowie Abhängigkeiten, Annahmen und Einschränkungen enthalten.
- Interessenvertretung: Entsprechende Aktivitäten sollten im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens oder dem NDC-Pfad sein.
- Berichterstattung: Der Transitionsplan sollte offengelegt werden und mindestens einmal jährlich über die Fortschritte berichtet werden.
Engere Verzahnung von Transition Targets und Engagement Targets
Die fünfte Edition unterstreicht, dass Ziele ohne Umsetzungsmechanismen nicht ausreichen. Setzt ein Unterzeichner Transition Targets, so sind auch korrespondierende Engagement Targets festzulegen:
- gegenüber Unternehmen,
- Vermögensverwaltern sowie
- auf Sektor‑ bzw. Wertschöpfungskettenebene.
Diese Engagement Targets müssen explizit darauf ausgerichtet sein, die Erreichung der Transition Targets zu unterstützen. Engagement wird damit von einer begleitenden Aktivität zu einem zentralen Umsetzungshebel.
Aufforderung zur Finanzierung von Projekten zur Kohlenstoffdioxidentfernung (Carbon Dioxide Removal, CDR)
Selbst bei Umsetzung aller Emissionsminderungsmaßnahmen dürften bis 2050 Restemissionen laut TSP von bis zu ~7,4 Gt CO₂e10 pro Jahr anfallen, die noch zunehmen werden, sollte die Dekarbonisierung ins Stocken geraten. Das bedeutet, dass weiterhin ein Bedarf an CDR-Maßnahmen besteht, welche Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Atmosphäre entfernen und dauerhaft speichern. Daher werden die Unterzeichner des Protokolls aufgefordert, sich an der Finanzierung von CDR-Projekten zu beteiligen und in CDR-Gutschriften zu investieren. Jedoch dürfen CDR-Maßnahmen nach aktuellem Protokoll weiterhin nicht zur Erreichung der Ziele für das Anlageportfolio genutzt werden.
Anforderungen für Climate Solutions Investment Targets konkretisiert
Das Protokoll verschärft zudem die Anforderungen für die Zielsetzung bei Investitionen in Klimalösungen, der so genannten Climate Solutions Investment Targets. Dies sind Investitionen in wirtschaftliche Aktivitäten, von denen angenommen wird, dass sie zur Eindämmung des Klimawandels und/oder zur Anpassung beitragen. Sofern man sich für diese Zielkategorie entscheidet, muss ein quantitatives Ziel festgelegt werden, entweder in absoluten Zahlen oder als Prozentsatz des gesamten verwalteten Vermögens. Das Ziel muss in absoluten Zahlen angegeben werden und es sollte eine Aufschlüsselung nach Anlageklassen erfolgen. Damit werden die Anforderungen im Vergleich zur vorherigen Fassung konkreter und messbarer.
Umsetzung
Gemäß der allgemeinen Struktur der NZAOA müssen Mitglieder ihre Zwischenziele alle fünf Jahre aktualisieren. Bestehende Mitglieder integrieren die neuen Anforderungen des TSP typischerweise bei ihrer nächsten regulären Zielsetzung für den Zeitraum bis 2030. Neue Unterzeichner müssen ihre ersten Ziele, die nun auch die Transition Targets enthalten können, bei ihrem Beitritt festlegen.
Wie betrifft TSP 5.0 die Zielsetzung der Versicherer?
Neun deutsche Versicherer sind direkte Unterzeichner des TSP bzw. Mitglied der NZAOA. Auch der Gesamtverband der Versicherer (GDV) unterstützt die Allianz als förderndes Mitglied. In der GDV-Nachhaltigkeitspositionierung verpflichten sich die Versicherer zur Klimaneutralität der Kapitalanlage bis 2050 und orientieren sich bei der Festlegung von Zwischenzielen bis 2030 am TSP der NZAOA. Damit strahlen die Vorgaben des TSP auf einen Großteil der Dekarbonisierungsstrategien deutscher Versicherer aus.
Die fünfte Edition des TSP betrifft vor allem die Strukturierung und Begründung von Zielen, aber nicht deren nominelle Höhe. Die Einführung von Transition Targets passt zu den anleihelastigen Portfolios der Versicherer und ermöglicht es, die Dekarbonisierungsstrategie und -steuerung über emissionsgewichtete Abdeckung und Engagement, statt über Divestment darzustellen. Die klare Trennung von Zielkategorien, die stärkere Kopplung an Engagement und die allgemeinen Prinzipien zur Beurteilung von Transitionsplänen verbessern die methodische Klarheit und Prüffähigkeit.
Neben dem Beitrag zur Dekarbonisierung reduzieren Transition Targets Transitionsrisiken indem sie die Transformation kritischer Geschäftsmodelle unterstützen und so das Kapitalanlageportfolio vor plötzlichen Wertverlusten durch politische oder technologische Veränderungen im Zuge der Dekarbonisierung schützen.
Insgesamt unterstützt die fünfte Edition damit einen glaubwürdigeren und umsetzungsorientierten Ansatz der Zielsetzung unter den strukturellen Rahmenbedingungen deutscher Versicherungsportfolios.
Weiterführende Links:
- Blog: Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil: Von Compliance zum Werttreiber
- Blog: PCAF veröffentlicht aktualisierten Standard – was dieser für Versicherer bedeutet (Fokus: Part C – Insurance-Associated Emissions)
- Blog: Die EmpCo-Richtlinie – Wird ihre Bedeutung von Versicherern unterschätzt?
- Event Anmeldung: International Sustainable Finance Conference: Resilience and Innovation
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