Innovation und Resilienz: Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation
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Als Auftakt unserer Interview-Blogreihe „Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation“ habe ich Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer vom Bankenverband interviewt.
Nächste Woche erscheint unser Whitepaper „Innovation und Resilienz: Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation“. Im Rahmen der Erstellung haben wir zahlreiche Expert:inneninterviews geführt, um unterschiedliche Perspektiven aus der Branche einzufangen. Diese wertvollen Einblicke möchten wir in einer begleitenden Interview-Blogreihe teilen und damit einen tieferen Blick hinter die Rolle von Finanzunternehmen als Kapitalgeber, Investor, Risikomanager, Innovationstreiber und Berater ihrer Kunden bei der Transformation ermöglichen.
Zum Auftakt veröffentlichen wir das Interview mit Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer vom Bankenverband.
- Wo sehen Sie die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation?
Die nachhaltige Transformation ist und bleibt ökologisch notwendig und ökonomisch sinnvoll. Dafür die richtigen Anreize zu setzen, ist Aufgabe der Politik. Damit stärkt sie den Wirtschaftsstandort, senkt Risiken und erhöht die Widerstandskraft von Unternehmen.
Die entscheidenden Schritte gehen die Unternehmen selbst. Die Banken begleiten diesen Prozess und setzen Impulse: Sie stellen Kredite, Kapitalmarktfinanzierung und Beratung bereit und bringen ihre Perspektive in den laufenden Austausch ein. Sie finanzieren die Modernisierung bestehender Prozesse bis hin zum Aufbau neuer, klimafreundlicher Geschäftsmodelle.
Dabei gilt ein klarer Grundsatz: Banken finanzieren, was langfristig trägt. So ermöglichen sie Investitionen, sichern Wertschöpfung, helfen Abhängigkeiten zu verringern und stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.
- Über welche Kanäle, Produkte und Dienstleistungen können Finanzunternehmen (Banken, Versicherer, Asset Manager) ihren Kunden und Geschäftspartnern ihre Risikoexpertise für die Nachhaltigkeitstransformation zur Verfügung stellen?
Banken bringen ihre Risikoexpertise vor allem im Kreditprozess ein. Neben der Bonität bewerten sie heute auch ESG-Risiken. Dazu zählen physische Klima- und Naturrisiken, CO₂-Preisentwicklungen und die Zukunftsfähigkeit von Geschäftsmodellen.
Auf dieser Basis haben Banken ihre Finanzierungsinstrumente weiterentwickelt. Übergangsfinanzierungen, die sogenannte Transition Finance, gewinnen an Bedeutung. Dabei begleiten die Banken die Unternehmen gezielt auf dem Weg der Transformation, statt sie davon auszuschließen.
Ein weiterer wichtiger Hebel ist der strukturierte Austausch mit den Unternehmenskunden. Banken nutzen ihre Branchenkenntnis und Risikoperspektive, hinterfragen Annahmen und unterstützen bei Investitionsentscheidungen im regelmäßigen Austausch oder direkt im Kreditgespräch.
- Welche Rollen spielen aus Ihrer Sicht transparente Transitionspläne von Finanz- und Industrieunternehmen für Planungssicherheit und erhöhte Wettbewerbsfähigkeit von Finanzinstituten?
Transitionspläne sind kein Selbstzweck. Diese Pläne sind ein zentrales Instrument der strategischen Weiterentwicklung: Sie zeigen, wie Unternehmen auf steigende Kosten, neue Risiken, neue Technologien und veränderte Rahmenbedingungen reagieren und wie sie ihre Geschäftsstrategie weiterentwickeln wollen.
Für Banken sind solche Pläne ein wichtiger Anhaltspunkt für eine differenzierte, unternehmensindividuelle Risikobewertung. Alternativ können auch überzeugende Transformationsstrategien oder messbare Nachhaltigkeitsziele mit bewertet werden. Umfang und Tiefe richten sich nach Unternehmensgröße, Branche, Risikoprofil und Finanzierungsart.
Auch der Finanzsektor selbst muss ESG-Risiken systematisch steuern. Die Aufsicht erwartet entsprechende Pläne. Entscheidend ist ein proportionaler und praxisnaher Ansatz, der Wirkung und Aufwand in ein sinnvolles Verhältnis bringt – besonders für kleinere und mittlere Banken.
- Welche Chancen sehen Sie für den Finanzsektor bei innovativen, klimafreundlichen Produkten und Dienstleistungen?
Entscheidend sind Finanzierungs- und Beratungsangebote, die jeweils zu den konkreten Transformationsvorhaben passen. Der Austausch über Chancen, Risiken und Rahmenbedingungen stärkt die Kundenbeziehung und schafft neue Anknüpfungspunkte.
Im Kreditgeschäft finanzieren Banken Investitionen in effizientere Anlagen, neue Technologien und den Umbau von Produktionsprozesse. Auch gibt es spezialisierte Finanzierungsformen für einzelne Transformationsfelder. Viele Institute begleiten zudem Privatkunden: etwa bei energetischen Sanierungen, Förderprogrammen oder auch bei der „grünen Geldanlage“.
Größere Institute bieten darüber hinaus Lösungen für komplexe Finanzierungen, Fördermittelkombinationen und den Kapitalmarkt. Ein proportionaler und praxistauglicher regulatorischer Rahmen ist dafür entscheidend. Er ermöglicht es Banken jeder Größe, ihre Stärken einzubringen und Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung wirksam zu unterstützen.
Weiterführende Links:
- Hybride International Sustainable Finance Conference am 9.6. in Frankfurt
- Blogbeitrag: Risikomanagement im Wandel: Navigieren in nicht-linearen Risikolandschaften
- Blogbeitrag: Greenwashing vermeiden
- Blogbeitrag: AI-powered ESG compliance: Navigating SFDR 2.0 efficiently
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