Die Chancen in der Finanzierung der Transformation aus Bankensicht
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Als Teil unserer Interview-Blogreihe „Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation“ habe ich Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin, Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) interviewt.
Am 30.03 ist unser Whitepaper „Innovation und Resilienz: Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation“ veröffentlicht worden. Im Rahmen der Erstellung haben wir zahlreiche Expert:inneninterviews geführt, um unterschiedliche Perspektiven aus der Branche einzufangen. Diese wertvollen Einblicke möchten wir in einer begleitenden Interview-Blogreihe teilen und damit einen tieferen Blick hinter die Rolle von Finanzunternehmen als Kapitalgeber, Investor, Risikomanager, Innovationstreiber und Berater ihrer Kunden bei der Transformation ermöglichen.
In der heutigen Ausgabe veröffentlichen wir das Interview mit dem VÖB. Im Interview betont Hauptgeschäftsführerin Iris Bethge-Krauß, dass ESG-Risiken verstärkt in die Kreditvergabe einfließen, um den langfristigen Erfolg der Geschäftsmodelle im beiderseitigen Interesse zu sichern.
- Wo sehen Sie die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation?
Der Finanzsektor ist ein zentraler Partner bei der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft, ob für Unternehmen, Kommunen oder private Haushalte. Der hohe Investitionsbedarf für die Transformation wird einerseits über Fremdkapital und andererseits über verschiedene Eigenkapitalinstrumente finanziert werden müssen. Dies treibt die kontinuierliche Weiterentwicklung des Angebots an Beratung und Förder- und Finanzierungsprodukten. Dabei kommt den öffentlichen Banken eine besondere Rolle zu. Viele Transformationsprojekte können ohne eine privat-öffentliche Risikoteilung gar nicht erst initiiert werden. Es ist zudem unser Anspruch, jenseits der reinen Bereitstellung von Kapital, als Transformationspartner unsere Expertise bereitstellen zu können, ob zu Klima- und Naturthemen, wie der Dekarbonisierung, Klimafolgenanpassung und Biodiversität oder Kreislaufwirtschaft, oder zu sozialen Fragestellungen wie dem Wohnungsbau und der Digitalisierung. Diese Rolle werden wir auch weiterhin ausbauen, unabhängig von politischer oder regulatorischer Dynamik.
- Über welche Kanäle, Produkte und Dienstleistungen können Finanzunternehmen (Banken, Versicherer, Asset Manager) ihren Kunden und Geschäftspartnern ihre Risikoexpertise für die Nachhaltigkeitstransformation zur Verfügung stellen?
Das tun sie bereits, denn ESG-Risiken werden verstärkt im Kreditvergabeprozess berücksichtigt, und somit kommt diese Expertise indirekt den Kunden zugute. Kundenberater werden beispielsweise darin geschult, Unternehmen bei der Transformation zu begleiten. Dabei blicken sie nicht nur auf die ESG-Risiken, sondern auch auf die Chancen der Transformation. Ziel ist die Sicherung des langfristigen Fortbestands und Erfolgs der Geschäftsmodelle der Kunden. Dies ist naturgemäß von beiderseitigem Interesse.
- Welche Rollen spielen aus Ihrer Sicht transparente Transitionspläne von Finanz- und Industrieunternehmen für Planungssicherheit und erhöhte Wettbewerbsfähigkeit von Finanzinstituten?
In der Transitionsplanung befassen sich Finanz- und Industrieunternehmen mit dem Übergang zur Klimaneutralität und ihren Chancen und Risiken für das eigene Geschäftsmodell. Als eine Art strategischer Fahrplan haben robuste Transitionspläne das Potenzial, die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen zu verbessern und dies an Geschäftspartner kommunizieren zu können. Für Finanzinstitute sind Transitionspläne ihrer Kunden für das eigene ESG-Risikomanagement und die strategische Planung notwendig. Wichtig ist aber auch herauszustellen: ohne einen stabilen politischen Rahmen können Finanz- und Industrieunternehmen keine strategisch belastbare Planung durchführen und sind demzufolge auch zurückhaltend bei notwendigen Investitionen bzw. Finanzierungen.
- Welche Chancen sehen Sie für den Finanzsektor bei innovativen, klimafreundlichen Produkten und Dienstleistungen?
Je nach Schätzung liegt der Investitionsbedarf für die Erreichung der 2045-Klimaneutralität in Deutschland allein bei 5 Billionen Euro (KfW-Schätzung), dazu kommen noch Kosten für die Klimafolgenanpassung sowie weiterer Umweltthemen wie Biodiversität oder Wasserqualität, die sich in den kommenden Jahren noch stärker aufdrängen werden. In diesem wachsenden Markt werden sich öffentliche Banken mit entsprechenden Finanzierungs- und Förderprodukten sowie Dienstleistungen gut positionieren. Eine weitere Chance liegt in der Art des Geschäfts: Über maßgeschneiderte Finanzierungsprodukte bauen Finanzinstitute eine langfristige sowie robuste Geschäftsbeziehung auf und begleiten ihre Kunden über Jahre bei ihrer Transformation.
Weiterführende Links:
- Hybride International Sustainable Finance Conference am 9.6. in Frankfurt
- Whitepaper: Innovation und Resilienz: Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation
- Blogbeitrag: Wie Klimarisiken die Versicherbarkeit gefährden
- Blogbeitrag: Der Finanzsektor als Innovationsmotor, Risikopartner und Transitionstreiber
- Blogbeitrag: Innovation und Resilienz: Die Rolle des Finanzsektors in der Nachhaltigkeitstransformation
- Blogbeitrag: Transformation vorantreiben: Was Finanzinstitute von ihren Kunden brauchen
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