Die Registermodernisierung wird ab 2027 in der Breite spürbar
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Michael Pfleger, Gesamtleitung NOOTS bei der Föderalen IT-Kooperation (FITKO), über die Registermodernisierung
PwC: Herr Pfleger, die Registermodernisierung ist eines der zentralen föderalen Vorhaben der Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland. Welche Rolle spielt das sogenannte NOOTS für die Registermodernisierung?
Michael Pfleger: NOOTS steht für „Nationales Once-Only- Technical-System“. Es ist die technische Infrastruktur, mit der die öffentliche Verwaltung das Once-Only-Prinzip umsetzt. Die Idee des Once-Only-Prinzips ist es, dass die Behörden Daten aus verschiedenen Registern – Handelsregister, Fahrzeugregister und so weiter – nach Zustimmung der Betroffenen automatisiert abrufen. So müssen Bürger:innen und Unternehmen künftig Informationen, die verschiedene Behörden benötigen, nicht mehr selbst beibringen.
Wie weit ist die Umsetzung des NOOTS fortgeschritten?
Der IT-Planungsrat hat die NOOTS-Umsetzungsorganisation erst im Sommer 2025 eingerichtet. Diese hat das NOOTS als Minimal Viable Product, als MVP, umgesetzt – also als eine funktionierende erste Version. Im Februar 2026 ist der NOOTS-Staatsvertrag in Kraft getreten. Zeitgleich hat die öffentliche Verwaltung das NOOTS erstmals produktiv eingesetzt. Beides, MVP und NOOTS-Staatsvertrag, waren wichtige Meilensteine.
Welche Rolle spielt das NOOTS im Gesamtportfolio des IT-Planungsrats?
Es ist eine wichtige technische Komponente. Mit dem NOOTS und dem damit verbundenen Datenmanagement werden wir den Übergang von einer prozess- zu einer datengetriebenen Verwaltung vollziehen – nicht nur als Absichtserklärung, sondern gesetzlich verankert. Das NOOTS ist auch die technische Voraussetzung dafür, um weitere Aspekte der föderalen Digitalstrategie und der föderalen Modernisierungsagenda umzusetzen.
Welche zum Beispiel?
Zwei prominente Vorhaben sind „Gründen in 24 Stunden“ und die Umsetzung der Empfehlungen der Sozialstaatskommission. Das NOOTS steht dabei nicht allein, sondern ist Teil des sogenannten Deutschland-Stacks, also des gemeinsamen Baukastens digitaler Basiskomponenten von Bund und Ländern für die Verwaltung. Dazu gehören unter anderem die EUDI-Wallet, dank der die Bürger:innen amtliche Nachweise digital auf ihrem Smartphone speichern können, und Fit-Connect. Das ist eine einheitliche Schnittstelle, um Onlineantragsdienste an die korrespondierenden Fachverfahren anzubinden.
Der automatisierte Datenabruf über das NOOTS soll den Zeitaufwand für Behördengänge deutlich senken. Können Sie den Zeitgewinn und die Einsparungen beziffern?
Der Normenkontrollrat hat schon im Jahr 2017 berechnet, dass die Registermodernisierung, von der NOOTS ein Teil ist, die Zeit für Behördengänge um etwa die Hälfte reduziert. Für die öffentliche Verwaltung selbst beträgt die Zeitersparnis sogar etwa 60 Prozent. Das entspricht möglichen Einsparungen von fast vier Milliarden Euro pro Jahr! Aber dafür braucht es zunächst einmal Investitionen in Technik und geeignete Steuerungsstrukturen beim Bund, bei den Ländern und in den Fachressorts.
Gehen wir noch etwas mehr ins Detail: Wie funktioniert die Anbindung von Onlinediensten, Registern und Fachverfahren an das NOOTS genau?
Über den sogenannten Sicheren Anschlussknoten, kurz SAK. Das Bundesverwaltungsamt stellt ihn als Container bereit, also als standardisierte Softwarekomponente. Die jeweiligen Behörden betreiben ihn dann in ihrer eigenen IT-Infrastruktur. Behörden können den SAK schon heute auf noots.gov.de herunterladen und auf einer Testumgebung erproben. Wir verlassen uns aber nicht nur auf die Eigeninitiative der Behörden, sondern werden die verschiedenen Komponenten gezielt flächendeckend ausrollen.
Wie wollen Sie die Registermodernisierung auf den Ebenen Bund, Länder und Kommunen orchestrieren?
Register sind durch das ihnen zugrundeliegende Fachrecht definiert. Hauptverantwortlich sind deshalb die Fachressorts beim Bund und bei den Ländern. Sie müssen die rechtlichen, fachlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen zur Anbindung an das NOOTS definieren. Die Kommunen müssen die Anbindung der Register dann nur noch technisch umsetzen. Das reduziert die Komplexität erheblich, weil die Ressorts die – teilweise sehr komplexen – rechtlichen und fachlichen Fragen nur einmal je Register beantworten müssen.
Wie geschieht das konkret?
Wir haben hierzu neue Rollen mit klar differenzierten Aufgaben definiert: die sogenannten Registertypverantwortlichen. Sie klären die fachrechtlichen und technischen Voraussetzungen für die Anbindung ihres Registertyps an das NOOTS – einmalig und verbindlich für alle Stellen, die diesen Registertyp führen. Bei zentralen Registern ist die Aufgabenzuordnung einfach. Bei den föderalen Registern arbeiten wir gut mit den Fachministerkonferenzen zusammen, um in deren Bund-Länder-Gremien die fachliche und technische Umsetzung zu gestalten.
Wie weit ist die Umsetzung?
Die ersten Projekte laufen bereits. In dem Flächenrolloutkonzept hat der IT-Planungsrat im November 2025 festgelegt, dass für jedes dezentrale Register ein sogenanntes initiales Anschlussvorhaben umgesetzt wird. Jedes Anschlussvorhaben gibt dem jeweils zuständigen Fachressort einen Rahmen vor, um die notwendigen rechtlichen und fachlichen Entscheidungen zu treffen. Diese Projekte wurden bereits auf die Länder aufgeteilt.
Gibt es für die Registermodernisierung Lerneffekte aus der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes, des OZG?
Ja, die gibt es. Die wichtigste Erkenntnis steckt schon im NOOTS-Staatsvertrag: Eine zentrale Organisation muss sich um die Technik, aber auch um die Abstimmung und die Begleitung der Nutzung kümmern. Auch in den Governance-Prozessen des NOOTS steckt viel Erfahrung aus dem OZG: Alles, was komplex ist, muss zentral erledigt werden, entweder in der NOOTS-Umsetzungsorganisation oder in den Strukturen der Fachressorts. Die notwendige Komplexitätsverlagerung – weg von einzelnen Stellen, hin zu zentral verantwortlichen Stellen – ist meine größte Lehre aus dem OZG.
Wann wird die Registermodernisierung für die Bürger:innen spürbar – und wann für die Verwaltung, insbesondere für die Kommunen?
Mit dem für 2027 geplanten Flächenrollout werden Bürger:innen, Unternehmen und die Verwaltung selbst die Vorteile bemerken. Einige Pilotprojekte sind bereits abgeschlossen, etwa die Anbindung des Zentralen Fahrzeugregisters. Noch im laufenden Jahr werden wir weitere Anwendungsfälle umsetzen. Ich schaue daher sehr optimistisch auf die kommenden zwei Jahre – weil die Strukturen stehen und der erste produktive Einsatz zeigt, dass das NOOTS funktioniert.
Hier der Link zum ausführlichen Interview.
Ansprechpartner:
Mischa Kosmehl