Glasfaser-Internet an Schulen ist ein Must-have

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Berlins Staatssekretär für Schulbau, Schuldigitalisierung und Lebenslanges Lernen, Dr. Torsten Kühne, über die Versorgung von rund 700 Berliner Schulen mit schnellem Internet.

PwC: Herr Dr. Kühne, mit dem Programm „Breitband-WLAN an Schulen“, kurz BWAS, hat Berlin alle öffentlichen Schulen an das Glasfasernetz angebunden. Was war die politische Vision dahinter?

Dr. Torsten Kühne: BWAS ist zentral in unserer Digitalisierungsstrategie. Mit dem im Jahr 2018 beschlossenen Digitalpakt hatte die Bundesregierung dafür gesorgt, dass der Bund und die Länder die Schulgebäude ertüchtigen. Aber der leistungsfähige Internetanschluss fehlte. Deshalb wollten wir innerhalb der laufenden Legislaturperiode alle öffentlichen Berliner Schulen ans Breitbandnetz anschließen. Das hieß konkret: Glasfaser für leistungsfähige Internetzugänge.

Welche Bedeutung hat schnelles Internet für die Schulen?

Es ist ein Quantensprung. Vorher war DSL mit rund 16.000 Kilobit pro Sekunde über Kupferkabel die Regel. Jetzt reden wir über ein Gigabit symmetrisch, also für Upload und Download gleichermaßen. Jeder Schulstandort hat einen Glasfaseranschluss erhalten, die Leitungen müssen sie mit niemandem teilen. Die Schulen sind in puncto Internetzugang jetzt leistungsfähig und unabhängig.

Wie ist das Projekt abgelaufen?

Ganz grob: Begonnen haben wir 2021 mit 62 sogenannten Quick Wins – erst einmal vor allem für Schulen, bei denen das Glasfaserkabel schon vor der Schultür lag. Die Fachfirmen konnten die Anbindung dort schnell realisieren. Dann folgte der weitaus größere Teil: der Anschluss aller allgemein-bildenden Schulen. Ende Februar 2026 haben wir den letzten Standort angeschlossen. Insgesamt waren es rund 700 Standorte in weniger als fünf Jahren. Wir sind ein halbes Jahr vor Ende der geplanten Programmlaufzeit und unterhalb der Budgetobergrenze fertiggeworden. Das ist ein beachtlicher Erfolg.

Wie ist das Projekt finanziert?

24 Millionen Euro stammen aus Landesmitteln, 27 Millionen Euro aus dem Digitalpakt 1.0. Und die laufenden Betriebskosten übernimmt die Berliner Senatsverwaltung dauerhaft.

Wie waren die Rollen zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen verteilt?

Alle Akteure saßen von Anfang an einem Tisch: die zwölf bezirklichen Schulträger, die Senatsverwaltung als 13. Schulträger für die beruflichen und zentral verwalteten Schulen, das IT-Dienstleistungszentrum ITDZ sowie PwC für die Projektkoordination. Entscheidend war, dass wir die Kosten bewusst auf Landesebene gehoben haben. Normalerweise liegt die technische Ausstattung bei den Bezirken. Aber mit den normalen Zuständigkeiten hätten wir BWAS weder im Kosten- noch im Zeitrahmen erfolgreich umgesetzt.

Was waren Ihre größten Herausforderungen?

Da gab es einige. Zum Beispiel hat Berlin eine sehr unterschiedliche Geologie. An manchen Standorten waren deshalb aufwendige Tiefbauarbeiten nötig. In einer Region gab es erhebliche Schwierigkeiten mit dem Genehmigungsverfahren, was mehrere Interventionsschreiben erforderte. Hinzu kamen die Coronapandemie und Lieferengpässe infolge des Krieges Russlands gegen die Ukraine.

Wie haben Sie Verzögerungen aufgeholt?

Durch gezieltes Nachsteuern – konkret mit Schreiben an die jeweiligen Dienstleister, die bezirklichen Schulträger und die Straßen- und Grünflächenämter. Entscheidend war ein straffes, lückenloses Controlling.

Welche weiteren Erfolgsfaktoren gab es?

An erster Stelle die Projektstruktur! Wir haben von Beginn an klar strukturierte Gremien mit definierten Abstimmungs- und Entscheidungswegen eingerichtet und ein enges Controlling aufgesetzt. Das machte Hemmnisse sofort sichtbar. Der Berliner Rechnungshof hat uns dafür ausdrücklich gelobt.

Was noch?

Wichtig war zudem die auskömmliche Finanzierung: neben den Digitalpaktmitteln die angesprochenen Landesmittel. Wichtig war außerdem die gute Kommunikation mit allen Stakeholdern, auch über die Schulträger hinaus bis hin zu einzelnen Schulstandorten. Letztlich steht und fällt so ein großes Projekt auch mit ganz praktischen Fragen: Der Schulhausmeister muss zum Beispiel pünktlich aufschließen, damit die Fachfirma das Kabel die letzten Meter bis zum Server in der Schule ziehen kann.

Verändert die neue Infrastruktur den Schulalltag?

Bei der Feier anlässlich des letzten Anschlusses für die Ernst-Haeckel-Schule in Hellersdorf wurde das eindrucksvoll vorgeführt: Jetzt sind zum Beispiel 3D-Druck, Roboterprogrammierung, Foto- und Videobearbeitung möglich – die Schule hat sich im Wahlpflichtbereich auf Robotik spezialisiert. Mit traditionellem Frontalunterricht hat das nicht mehr viel zu tun. Das ist ein echter Wandel.

Widerspricht Robotik an Schulen dem bildungspolitischen Ziel, die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen zu stärken?

Überhaupt nicht. Informatik ist im 21. Jahrhundert eine komplementäre Basiskompetenz. Oder denken wir an künstliche Intelligenz. Um die Grundzüge von Informatik und KI zu verstehen, müssen junge Menschen natürlich auch lesen, schreiben und rechnen können.

Trägt die neue Infrastruktur zu Bildungs- und Chancengerechtigkeit bei?

Da bin ich mir sicher. Wir möchten leistungsfähiges Internet an Schulen auch, damit die Kinder nicht von ihrem Elternhaus abhängig sind. Die Bildungschancen sind ja leider nach wie vor stark vom Elternhaus abhängig. Allein deshalb ist der Glasfaseranschluss ein Must-have. Hinzu kommt der ab August 2026 verpflichtende Ganztagsunterricht. Schülerinnen und Schüler verbringen dann mehr Zeit an den Schulen und brauchen dort leistungsfähiges Internet umso dringender.

Könnte Ihr BWAS-Modell eine Blaupause für andere Bundesländer sein?

Eins zu eins sicherlich nicht; Berlin als Stadtstaat ist schon etwas Besonderes. Einige Erfolgsfaktoren halte ich dennoch für übertragbar: eine klare Projektstruktur von Anfang an, ausreichend Budget und agiles Controlling. Ich empfehle auch, mit erfahrenen externen Dienstleistern zusammenzuarbeiten. Man muss das Rad schließlich nicht immer neu erfinden.

Was haben Sie als nächstes vor?

Der Bund und die Länder haben sich Ende 2025 auf den Digitalpakt 2.0 geeinigt. Mit Mitteln daraus wollen wir die strukturierte Verkabelung in Schulgebäuden weiter ertüchtigen. Außerdem wollen wir veraltete IT-Ausstattungen austauschen und adaptive, intelligente Systeme flächendeckend einsetzen. Zudem intensivieren wir die Lehrkräftefortbildung. Also wir lehnen uns keinesfalls zurück.

Mehr über das Landesprogramm BWAS

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