Wie nutzen Unternehmen den freiwilligen CO₂-Zertifikatemarkt heute und morgen? Ergebnisse der PwC-Umfrage 2026

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Aus unserer Blogreihe „Nachweisbar“

Wer ist heute schon im freiwilligen CO₂‑Zertifikatemarkt (Voluntary Carbon Market, VCM) aktiv, wer plant den Einstieg und welche Motive und Präferenzen prägen die Nachfrage? Diese und weitere Fragen beantwortet die VCM‑Umfrage 2026 von PwC.

Der freiwillige CO₂-Zertifikatemarkt gewinnt an Qualität, Integrität und Bedeutung. Regulatorische Impulse wie das EU Carbon Removals and Carbon Farming Framework (CRCF), das geplante zentrale Register für internationale CO₂-Zertifikate unter Artikel 6 des Pariser Abkommens sowie die Diskussionen über mögliche Anknüpfungen an den Europäischen Emissionshandel und den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) tragen dazu bei, dass der Markt wächst und schrittweise professioneller und verlässlicher wird.  

Besonders an Bedeutung gewinnen CO₂-Entfernungsprojekte, die für das Erreichen von Net-Zero-Zielen unverzichtbar sind und in vielen Unternehmensstrategien eine wachsende Rolle spielen. 

Für Unternehmen rücken damit konkrete Fragen in den Vordergrund:  

  • Welche Rolle sollen CO₂-Zertifikate in der eigenen Klimastrategie übernehmen?
  • Welche Zertifikate passen zu unseren Zielen und unserem Geschäftsmodell?
  • Wie lassen sich langfristig hochwertige Zertifikate beschaffen? 

Eine wertvolle Orientierung bietet dabei der Blick auf andere Marktteilnehmer: Wie agieren sie heute und welche Pläne verfolgen sie für die kommenden Jahre? Genau hier setzt die PwC‑VCM‑Umfrage 2026 an. Zwischen März und April 2026 haben wir 42 Unternehmen aus 17 Branchen befragt, überwiegend mit Hauptsitz in Deutschland. Die Ergebnisse geben fundierte Einblicke in die Käuferperspektive und bieten damit eine wertvolle Orientierung für eigene strategische Entscheidungen, sowohl beim geplanten Markteintritt als auch bei der Weiterentwicklung bestehender VCM-Aktivitäten.

Knapp die Hälfte der Befragten ist bereits aktiv oder plant den Einstieg

Der freiwillige CO₂‑Zertifikatemarkt gewinnt in der Unternehmenspraxis an Relevanz: 36 % der befragten Unternehmen erwerben bereits freiwillige CO₂‑Zertifikate, weitere 10 % planen den Einstieg in den kommenden Jahren. Damit ist knapp die Hälfte entweder bereits aktiv oder bereitet den Markteintritt vor. 

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Klimastrategie: Unternehmen mit Net‑Zero‑Zielen sind statistisch signifikant häufiger im VCM aktiv als Unternehmen ohne entsprechende Zielsetzung. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen verfolgt bereits ein Net‑Zero‑Ziel oder arbeitet an dessen Entwicklung. 

Klimastrategie und Reputation sind die zentralen Treiber der Nachfrage

Die Befragung zeigt: Unternehmen kaufen freiwillige CO₂‑Zertifikate aus eigener Überzeugung und mit klarer Zielsetzung. Im Vordergrund stehen die eigene Klimastrategie sowie Reputationsaspekte. Externe Anforderungen wie regulatorische Vorgaben, ESG‑Ratings oder Erwartungen von Kunden und Lieferanten spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.  

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Abbildung 1: Zentrale Motive für den Erwerb freiwilliger CO₂‑Zertifikate
Quelle: PwC VCM‑Umfrage 2026

Nicht aktive Unternehmen priorisieren interne Emissionsreduktionen

Die aktuell nicht im VCM aktiven Unternehmen halten sich bewusst zurück: Im Vordergrund steht die Emissionsreduktion entlang der eigenen Wertschöpfungskette. Viele sehen daher derzeit keinen unmittelbaren Bedarf für den Einsatz von CO₂‑Zertifikaten. 

Daneben werden fehlende Qualität und Glaubwürdigkeit von Zertifikaten sowie mangelnde regulatorische Klarheit genannt. Diese Aspekte werden auch von bereits aktiven Käufern als zentrale Verbesserungsbedarfe gesehen.  

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Abbildung 2: Zentrale Gründe für Zurückhaltung bzw. Nicht-Engagement im VCM (aktive und nicht aktive Unternehmen).
Quelle: PwC VCM‑Umfrage 2026

Aktuelle Entwicklungen adressieren diese Punkte: Regulatorische Initiativen wie das EU‑CRCF und Artikel 6 des Pariser Abkommens sowie marktseitige Standards wie die ICVCM Core Carbon Principles tragen insgesamt zu mehr Klarheit, Qualität und Glaubwürdigkeit im Markt bei. Dies kann den Einstieg auch für heute zurückhaltende Unternehmen erleichtern. 

Käufer bevorzugen Qualitätsprojekte und diversifizierte Portfolios

Die Nachfrage konzentriert sich klar auf technologiebasierte Reduktions- und Vermeidungsprojekte sowie naturbasierte CO₂-Entfernungsprojekte, also Projekte mit in der Regel dauerhafter Klimawirkung. Klassische naturbasierte Reduktions- und Vermeidungsprojekte spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle. 

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Abbildung 3: Präferierte Projektarten im VCM.
Quelle: PwC VCM‑Umfrage 2026

Zertifikate werden aus unterschiedlichen Regionen bezogen; die befragten Unternehmen äußern dabei eine klare Präferenz für Projekte in Europa und insbesondere Deutschland. 

Auch bei der weiteren Portfoliogestaltung zeigt sich ein Trend zur Diversifizierung: Nur rund ein Viertel der Unternehmen setzt auf Einzelprojekte, während Portfolios mit zwei bis fünf Projekten dominieren. Dies deutet auf eine zunehmende Professionalisierung der Beschaffungsstrategien hin. Die Beschaffung erfolgt überwiegend über Händler (55 %).  

Preis und Qualität stehen im Fokus

Preis und Qualität sind heute die beiden zentralen Entscheidungskriterien: 85 % der Unternehmen bewerten den Preis als wichtig, gleichzeitig messen 55 % Qualitätsaspekten wie Zusätzlichkeit, Permanenz und robustem MRV eine hohe Bedeutung bei.  

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Abbildung 4: Zahlungsbereitschaft im VCM. 
Quelle: PwC VCM‑Umfrage 2026 

Rund 65 % der aktiven Unternehmen möchten aktuell weniger als 20 €/tCO₂e für ein Zertifikat zahlen. Der Preis ist damit für die große Mehrheit ein maßgeblicher Faktor. Gleichzeitig zeigen die Daten aber: Je stärker Qualität in den Vordergrund rückt, desto eher sind Unternehmen bereit, höhere Preise zu akzeptieren. Insbesondere Unternehmen mit Net-Zero-Zielen legen deutlich mehr Wert auf hochwertige Zertifikate und sind eher bereit, dafür mehr zu zahlen. 

Klimakommunikation wird belastbarer und professioneller

Die externe Kommunikation zum Kauf und Einsatz der Zertifikate erfolgt überwiegend über Nachhaltigkeitsberichte und Unternehmenswebsites. Rund ein Viertel der aktiven Unternehmen verzichtet derzeit ganz auf eine Kommunikation ihrer Zertifikatenutzung. 

Mit steigenden regulatorischen Anforderungen wächst die erforderliche Sorgfalt bei Klimaaussagen. Ein wichtiges Beispiel ist die Empowering Consumers Directive (EmpCo), die ab September 2026 in Kraft tritt. Unternehmen reagieren mit professionelleren Governance‑ und Reportingstrukturen und erhöhen so insgesamt die Qualität ihrer Nachhaltigkeitskommunikation. 

45 % der aktiven Unternehmen wollen ihr Engagement ausbauen

Der VCM befindet sich auf klarem Wachstumskurs: 45 % der bereits aktiven oder interessierten Unternehmen wollen ihr Engagement in den nächsten zwei bis drei Jahren ausbauen. 

Für viele Unternehmen wird der VCM damit zum festen Bestandteil ihrer langfristigen Klimastrategie. Verlässliche Qualitätsstandards, ein klarerer regulatorischer Rahmen und ein wachsendes Angebot hochwertiger Zertifikate stärken die Glaubwürdigkeit des Marktes und erleichtern Käufern langfristige Beschaffungsentscheidungen. Damit dürften sie das Wachstum des VCM zusätzlich beschleunigen. 

Fazit: Jetzt die Weichen für wirksamen Klimaschutz stellen

Der VCM wird in den kommenden Jahren professioneller, qualitätsorientierter und wirksamer. Für Unternehmen heißt das konkret: 

  • Strategisch: Die Rolle von CO₂-Zertifikaten in der eigenen Klimastrategie klar definieren. Sie sollten internen Reduktionsmaßnahmen ergänzen, nicht ersetzen. 
  • Operativ: Beschaffungsprozesse professionalisieren, Qualitätskriterien (z. B. Zusätzlichkeit, Permanenz, MRV) systematisch prüfen und Portfolios bewusst diversifizieren. 
  • Kommunikativ: Klimaaussagen belastbar, präzise und konsistent gestalten und damit den steigenden regulatorischen Anforderungen wie der EmpCo‑Richtlinie gerecht werden.  

Wer den VCM heute aktiv gestaltet, sichert sich frühzeitig Zugang zu hochwertigen Projekten, baut interne Kompetenzen auf und legt damit die Grundlage für glaubwürdige Klimaaussagen sowie für einen verlässlichen Beitrag zur Erreichung der eigenen Klimaziele. Hier setzt PwC an: Wir begleiten Unternehmen entlang dieser Dimensionen, von der konzeptionellen Einordnung über die operative Umsetzung bis zur belastbaren Klimakommunikation. 

Ausgewählte Ergebnisse und Praxisempfehlungen vertiefen wir in zwei kommenden PwC‑Whitepapern: Eines richtet sich an Käufer im VCM und ihre Entscheidungsfindung, das andere an den Finanzsektor zur Einordnung der Geschäftspotenziale. 

Mit näher rückenden Net‑Zero‑Zwischenzielen und dem EU‑Klimaziel 2040, das die Anrechnung internationaler CO₂‑Zertifikate vorsieht, dürfte die Nachfrage nach hochwertigen Zertifikaten und insbesondere nach CO₂‑Entfernungen deutlich steigen. Unternehmen, die sich heute am Markt positionieren, sichern sich frühzeitig Zugang zu qualitativ überzeugenden Projekten und langfristig planbaren Volumina. 

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie Ihre Position im VCM gezielt weiterentwickeln möchten.  

Weiterführende Links: 

Laufende Updates zum Thema erhalten Sie über das regulatorische Horizon Scanning in unserer Recherche-Applikation PwC Plus. Lesen Sie hier mehr über die Möglichkeiten und Angebote.

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Maria Halm

Maria Halm

Senior Managerin

Leipzig