Innovative Wege zur Verbreitung von Altersvorsorge für Personengruppen mit dem Risiko zu niedriger Renten?
Europäische Versicherungsaufsicht veröffentlicht Bericht zu Ergebnissen ihres Pensions-Techsprints vom Juni 2025, in dem drei digitale Konzepte für besseren Zugang zu Rentenversicherungen für Frauen, Gen-Z-Vertreter und Selbständige bzw. Gig-Arbeiter diskutiert und entwickelt wurden
Einer der Schwerpunkte der europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde liegt im Zugang zu angemessenem Versicherungsschutz. Hierbei legt sie ein Hauptaugenmerk auf digitalen Angeboten gerade im Zusammenhang mit Altersvorsorge Hierzu hatte die Behörde bereits vor den Diskussionen rund um das EU-Regulierungsvorhaben FiDA zum Datenaustausch innerhalb der Finanzdienstleistungsbranche (vgl. zu FiDA unseren diesbezüglichen Blogbeitrag) beispielsweise eine Konsultation zum Thema Open Insurance gestartet, in deren Mittelpunkt eine Rentenübersicht stand und dabei Aspekte rund um Innovationen für Konsumenten, für Unternehmen und die Aufsichtstätigkeit abgefragt.
Im Juni 2025 hatte EIOPA Experten zu einem dreitätigen Techsprint eingeladen, in dessen Rahmen fachübergreifende Spezialisten unter Moderation von EIOPA-Vertretern gemeinsam Prototypen entwickeln, wie über digitale Angebote das Bewusstsein, das Engagement und die Angemessenheit der Altersvorsorge gefördert werden kann. Dabei standen drei spezifische Verbrauchergruppen im Mittelpunkt, für die das Risiko einer zu niedrigen Altersvorsorge als bedeutend eingeschätzt wird: Frauen, die Generation Z und Selbstständige bzw. Gig-Worker.
Ende November veröffentlichte EIOPA in einem Abschlussbericht das Ergebnis der Untersuchungen und Lösungsvorschläge für eine weitere Verbreitung von Altersvorsorge insgesamt, aber insbesondere für die drei spezifisch diskutierten Verbrauchergruppen. Dabei wurde einerseits der aktuelle regulatorische Rahmen dargestellt und wie sich die Anforderungen aus PRIIP, IDD, DSGVO, Verbraucherrechtrichtlinie, AI Act, PEPP-Regulierung und EbAV-II-Richtlinie in den Gestaltungsrahmen übersetzen. Auswirkungen der oben erwähnten zukünftig umzusetzenden FiDA-Regulierung wurden dabei nicht angeführt. Andererseits wurden verhaltensbezogene Aspekte diskutiert – insbesondere hinsichtlich der Auswirkung kognitiver Verzerrungen auf Entscheidungen bezüglich Altersvorsorge und Rentenversicherungen – und wie hierauf ansetzende digitale Tools (z.B. digitales Nudging, Gamification) auf die Altersvorsorgeplanung und die Spargewohnheiten einwirken können.
Auf dieser Basis wurden für die spezifischen Verbrauchergruppen zunächst zentrale Aspekte und typische Wegmarken auf der Pension-Journey identifiziert und diskutiert. Anschließend wurden jeweils Prototypen für die identifizierten Anwendungsfälle abgeleitet (vgl. Abb 1.)
Wenngleich die Lösungsansätze nicht an echten Konsumenten getestet wurden, wurden in der Ausarbeitung auch durch Berücksichtigung entsprechender Vertreter in den einzelnen Arbeitsgruppen folgende zentrale Erkenntnisse identifiziert:
- Anpassung des Produktangebots an eine sich verändernde Einstellung gegenüber Renten, insbesondere bei jüngeren Generationen (z.B. Präferenz für als transparenter, liquider und wachstumsorientierter wahrgenommenere Produkte wie Exchange-Traded Funds (ETF)
- Die Notwendigkeit, Finanzinstrumente in Produkte und Dienstleistungen zu integrieren, die Menschen bereits täglich nutzen
- Transparenz für Entscheidungen schaffen, in dem integrierte Renteninformationen Einblicke stärken
- Neues Engagement mit mutigen Strategien, um mit Verbrauchern in Kontakt zu treten
- Strukturelle Hindernisse erfordern strukturelle Lösungen – insbesondere Selbständige und Gig-Arbeiter haben Herausforderungen bezüglich einer stetigen Altersvorsorge, innovative, flexible und anpassbare Lösungen verbinden Realitäten mit Bedarfen
- Die Notwendigkeit, Verbraucherschutzvorschriften mit Verhaltenskenntnissen und Innovationen in Einklang zu bringen – ein zu rigides Auslegen von Vorschriften verhindert den Einsatz flexibler und kreativer Lösungen
- Digitale Tools spielen eine wichtige Rolle bei der Personalisierung und können den Aufbau von Vertrauen unterstützen.
Neben diesen fachlichen und politisch-regulatorischen Anforderungen wurden auch praktische Erfahrungen abschließend in dem Bericht reflektiert. Diese umfassen insbesondere die Bedeutung der Team-Zusammensetzung und Perspektiven in den Techsprints, das notwendige Engagement verschiedener Stakeholder sowie den Wissenstransfer und den Kapazitätsaufbau bei den Aufsichtsbehörden.
Zwar werden seitens EIOPA keine konkreten Maßnahmen abgeleitet. Jedoch lassen die genannten Schlussfolgerungen und dass mit den am Techsprint teilnehmenden Stakeholdern geschaffene gemeinsame Verständnis, wie sich Regulierung und Aufsicht parallel zur technologischen Entwicklung weiterentwickeln müssen, die Erwartungen an Marktteilnehmer und Grundideen zukünftiger Impulse der Aufsichtsbehörde erkennen. Hierbei gilt es, sich einerseits strategisch zu positionieren und andererseits die notwendigen Voraussetzungen (z.B. in der IT-Infrastruktur, Datenhaltung und -analyse oder der Produktgovernance und -entwicklung) zu schaffen.
PwC unterstützt Versicherungen und Finanzdienstleister dabei, die Basis für digitale Angebote und Dienstleistungen zu schaffen
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